Bye Avaloq: BSI migriert auf Temenos

Die Privatbank BSI wird nach der Übernahme durch EFG International von Avaloq auf Temenos migrieren.
 
Dies dürfte ein Rückschlag für Avaloq sein: EFG International hat heute mitgeteilt, dass die übernommene Privatbank BSI auf das Kernbankensystem von Temenos migriert werde. Die Übernahme von BSI durch die in Zürich ansässige Privatbank EFG International wurde vergangenen Monat bekannt.
 
EFG setzt seit vielen Jahren eine eigene Plattform ein, wovon Temenos ein Teil ist, wie eine Sprecherin der Privatbank auf Anfrage erklärt. BSI wiederum ist Avaloq-Kunde und lässt die Plattform von B-Source betreiben. Nach der Übernahme haben die Banken mitgeteilt, dass die Entscheidung Temenos oder Avaloq noch nicht gefallen sei.
 
Im Rahmen eines Updates zur Fusion der beiden Privatbanken hat EFG nun angekündigt, dass man sich entschieden habe, BSI auf "EFGs Kernbankensystem zu migrieren". De Facto bedeutet dies, dass Avaloq respektive B-Source mit BSI einen Kunden verlieren und Temenos einen gewinnen wird.
 
Einheitliche Plattform ab 2018
Die Migration auf das neue Kernbankensystem soll bis Ende 2017 abgeschlossen sein. "Mit Hinblick auf das zukünftige Geschäft, haben wir uns entschieden, dass aufgrund der niedrigeren Kosten die kombinierte Bank ab 2018 auf EFGs Kernbankensystem operieren wird", so Joachim Straehle, CEO von EFG International in einer Mitteilung des Unternehmens. Die Plattform von EFG - auf die nun auch BSI migriert wird - habe relativ geringe Softwarelizenz- und andere Drittpartei-Kosten. Mit der Migration auf eine gemeinsame Plattform sollen rund 100 Millionen Franken eingespart werden. Auf gleichwertiger Basis gerechnet liegen die jährlichen IT-Ausgaben der BSI bei 160 Millionen Franken, jene von EFG bei 80 Millionen Franken.
 
Neben den Kosten seien die Unabhängigkeit und die Kontrolle weitere Gründe, die EFG-Plattform zur gemeinsamen Plattform zu machen. EFG habe eine direkte, interne Kontrolle über die Entwicklung der Plattform, während BSI wesentlich von Drittanbietern abhängig sei, heisst es in einer Präsentation der Privatbank. Daneben sei die EFG-Plattform skalierbar und verfüge über ungenutzte Kapazitäten, um neue Assets oder Produkte unterzubringen.
 
Avaloq will Nachteil kompensieren können
Wie uns Avaloq auf Anfrage mitteilt, habe man die Entscheidung von EFG über die künftige IT-Lösung mit Bedauern zur Kenntnis genommen. "Für die verbleibende Laufzeit unserer Vertrags mit der BSI bis mindestens Ende 2017 werden wir unseren Kunden weiterhin mit vollem Einsatz unterstützen", so Avaloq Communication Manager Andreas Petrosino gegenüber inside-it.ch. Zudem setze man den Dialog mit EFG/BSI fort und stehe einer Kooperation in Zukunft weiter offen gegenüber.
 
Der Schweizerische Bankenpersonalverband hat bereits im Februar, nach Bekanntwerden der Fusion der Privatbanken, auf einen möglichen Stellenabbau bei B-Source hingewiesen. Je nachdem, welche Plattform gewählt wird, sei "auch ein Stellenabbau bei B-Source im Tessin möglich", so die Mitteilung des Personalverbands. Avaloq schreibt jedoch gegenüber inside-it.ch, dass man aufgrund des Wachstums der Avaloq Gruppe sowie der "bestens gefüllten Projekt-Pipeline in der Schweiz und international" erwarte, den potenziellen Nachteil kompensieren zu können. Dies gelte auch für B-Source. (Katharina Jochum)