Agilitätsschub durch radikale Vereinfachung

C-Level-Umfrage: Alle wollen mehr Agilität. Der Aufbau von stark vereinfachten digitalen Geschäftsmodellen auf der grünen Wiese gelingt aber nur selten.
 
In einer dynamischen, globalisierten und vor allem vernetzten Wirtschaftswelt wird für Unternehmen die Fähigkeit, sich immer schneller an veränderte Situationen anpassen zu können, zu einem erfolgskritischen Faktor. Der Schlüssel hierzu heisst Agilität durch Vereinfachung. Hierüber herrscht Einigkeit in Schweizer Unternehmen, wie auch die 55 teilnehmenden Top-Executives im Rahmen der jüngsten C-Level Umfrage einstimmig angaben. Einfach ist es jedoch keinesfalls, diese Agilität zu erreichen.
 
Denn viele gerade traditionell erfolgreiche Firmen haben eben diese Agilität im Laufe der Jahre eingebüsst. Sie ersticken in historisch angewachsener unnötiger Komplexität in ihren Strukturen, Prozessen oder auch darunterliegenden IT-Landschaften.
 
Daher ist es unumgänglich, unnötige Komplexität, die wie ein Bremsklotz an Unternehmen lastet, zu beseitigen. Nicht nur um Kosten zu optimieren. Sondern vor allem, um neue Freiräume und Ressourcen zu schaffen, um in Wachstumsbereichen etwas Neues zu kreieren. Um sich dieser Herausforderung stellen zu können widmete sich der 2. C-Level-Roundtable 2016 mit freundlicher Unterstützung von Tata Consultancy Services und der Boydak Simplification Factory dem Thema "Simplify Your Business Model to Boost Agility".
 
Zwei strategische Varianten der Vereinfachung
Unternehmen stehen zwei grundlegend unterschiedliche Stossrichtungen zur Vereinfachung und Erhöhung der Agilität zur Verfügung. Einerseits kann ein Unternehmen seine bestehenden Geschäftsprozesse komplett neu denken. Andererseits kann es aber auch auf der grünen Wiese nebenher etwas völlig Neues aufbauen. Ohne Altlasten, mit einheitlichen und modernen IT-Landschaften und einer optimalen Organisationstruktur. Die Frage bei einem solchen Vorgehen lautet einzig: "Was muss der Kunde wirklich haben?" Alles weitere, was darüber hinaus Komplexität verursachen könnte, kann dann weggelassen werden. Der intelligente Einsatz moderner Technologien ist dabei ein Schlüsseltreiber zur Vereinfachung. Vor allem die Digitalisierung, Analytics-Lösungen und Robotisierung bieten enorme Chancen.
 
Chancen, die in Schweizer Unternehmen noch unzureichend genutzt werden. So gelingt laut unserer Umfrage der Aufbau von stark vereinfachten digitalen Geschäftsmodellen auf der grünen Wiese nur selten.
 
Wer dagegen das bestehende Geschäft vereinfachen will, muss dem Ansatz einer radikalen Komplexitätsreduktion folgen. Diese unterscheidet sich von früheren Ansätzen zur Effizienzsteigerung vor allem in der nachhaltigen und ganzheitlichen Sicht auf ein Unternehmen. Viele Unternehmen verfolgen immer noch als primäres Ziel,
die Kosten zu reduzieren und denken nicht vom Kunden aus. Dabei muss hinter allen Anstrengungen zur Komplexitätsreduktion ein verstärktes "Front to Back"-Verständnis stehen. Die aus Sicht des Kunden entscheidende End-to-End-Sicht auf Abläufe und Leistungen über alle Silos hinweg ist das Entscheidende. Firmen, die dieser Denkweise folgen, vermeiden automatisch unnötige Komplexität. Wie schwierig die radikale Vereinfachung bestehender Geschäfte in der Praxis jedoch ist, zeigt ein weiteres Ergebnis der Umfrage, in der nur eine kleine Minderheit der Top-Manager angeben, dass dies in Schweizer Unternehmen bereits mit ausreichend grossem Erfolg gelingt.
 
Eine konsequent kundenorientierte Strategie bedeutet auch, die Portfolios radikal auszumisten. Unsere Umfrage zeigt jedoch, dass nicht mal ein Viertel der Unternehmen ein konsequent strategisches Geschäfts-Portfolio-Management betreiben. Eine kritische Überprüfung des Geschäftsmodell-Portfolios aus Kunden-und Marktsicht ist jedoch zwingend. Unternehmen müssen wissen, in welchen Geschäften sie tatsächlich mitspielen wollen oder können.
 
Smartes Partnering und organisatorisches Setup
Vereinfachung bedeutet auch, zu entscheiden, in welchen Bereichen entlang der Wertschöpfungskette man als Unternehmen selber agiert, und welche Bereiche besser und preiswerter durch Partnerschaften abgedeckt werden können.
 
Unternehmen müssen lernen, Teile ihrer Value Chain auch für Partner zu öffnen. Dadurch kann eine wertvolle Aussensicht auf interne Prozesse und Abläufe generiert werden. Zum anderen kann es den Weg zu höherer Agilität durch Vereinfachung ebnen.
 
Vereinfachung erfordert auch eine daraus abgeleitete und angemessene Führungs- und Organisationsstruktur. Diese muss die Markt- und Kundensicht ausreichend reflektieren und nicht unnötig viele Schnittstellen aufweisen, was die Komplexität andernfalls ebenfalls erhöhen würde. Gemäss C-Level-Umfrage gaben 68 Prozent der Befragten an, eine eher nicht- markt und kundenorientierte Organisationsstruktur zu besitzen. Dadurch wird Einfachheit und Agilität ausgebremst.
 
Über C-Level: C-Level ist eine Community, die aus der Mitte der Schweizer Manager entstanden ist. Im Rahmen ihrer Aktivitäten werden regelmässige C-Level-Roundtables veranstaltet und das C-Level Magazin publiziert. Über 1000 der wichtigsten 3'500 Schweizer Top-Executives bringen sich bereits aktiv in der Community ein. C-Level befragt regelmässig Mitglieder zu aktuellen Themen und veröffentlicht die Resultate auf inside-it.ch.