Tata mit einer Milliarde Dollar gebüsst

Ein US-Bundesgericht hat Tata Consultancy Services (TCS) zu einer Strafe von fast einer Milliarde US-Dollar verurteilt. Wie verschiedene indische Medien berichten, wurde TCS schuldig gesprochen, die Software eines amerikanischen E-Health-Spezialisten unerlaubt verwendet zu haben, um sich selbst zu bereichern. Beim Kläger handelt es sich um den amerikanischen Softwarehersteller Epic Systems, der unter anderem Softwarelösungen für Spitäler anbietet. Epic zählt mit einem Jahresumsatz von zwei Milliarden Dollar zu den grösseren amerikanischen E-Health-Anbieter. Epic kennt man auch in der Schweiz: das US-Unternehmen hat vom Kantonsspital Luzern den umstrittenen Zuschlag für die IT-Erneuerung erhalten.
 
Wie die 'Times of India' schreibt, gab die Jury Epic System bei sieben Vorwürfen recht. Darunter Vertragsverletzungen, Aneignung von Geschäftsgeheimnissen, unlauterer Wettbewerb und ungerechtfertigte Bereicherung. Das Gericht ordnete demnach 240 Millionen Dollar Schadensersatz und 700 Millionen Dollar Bussgeldzahlungen an.
 
Epic hatte TCS und deren amerikanische Tochter, Tata America International, 2014 verklagt. Zu den Vorwürfen gehörten der Diebstahl von "Handelsgeheimnissen, vertraulichen Informationen, Dokumenten und Daten" schreibt 'ToI' weiter. 2015 reichte Epic eine geänderte Klage nach.
 
Wie die Zeitung weiter schreibt, wurde TCS von Epic beauftragt, Software beim Spitalbetreiber und -besitzer Kaiser Foundation Hospitals zu installieren. TCS habe dabei verbotenerweise die Dokumentation dieser Software heruntergeladen. Der IT-Dienstleister wird weiter beschuldigt, diese Informationen bei der Entwicklung eines eigenen Spital-Management-Systems verwendet zu haben. Darüber hinaus habe TCS die Informationen verwendet, um einer konkurrierenden E-Health-Firma, Med Mantra, zu helfen.
 
TCS streitet diese Vorwürfe ab und sagt dem Bericht zufolge, dass die heruntergeladenen Informationen nicht zum eigenen Vorteil verwendet worden seien. Auch habe man die Informationen nicht bei der Implementation einer Software der konkurrierenden Med Mantra verwendet. Der indische IT-Riese plant demnach Berufung einzulegen.
 
Auswirkungen auf alle indischen IT-Dienstleister
Kennern der indischen IT-Branche zufolge könnte der Fall Auswirkungen auf die gesamte indische IT-Branche haben. Gemäss der indischen 'Economic Times' werde sich der Reputationsschaden auf andere IT-Dienstleister auswirken. Die Gesundheitsbranche ist ein wichtiger und wachsender Markt für diese Unternehmen. Sieben Prozent des Umsatzes von TCS im letzten Quartal stammen aus dem Bereich Life Sciences und Gesundheitswesen. Damit ist dieser Bereich der am stärksten wachsende des Unternehmens.
 
Das Umfeld sei für indische Firmen in den USA ohnehin schwierig, zitiert das Wirtschaftsblatt einen Manager einer weiteren indischen IT-Firma. In der Vergangenheit hätten es manche indische Unternehmen nicht so genau genommen, was Regulierungen anbelangt. Doch viele Firmen hätten sich verbessert, insbesondere jene im Gesundheits- und Bankenbereich.
 
Mit diesem Fall um TCS könnte es nun jedoch für andere indische IT-Outsourcer schwerer werden, im wachsenden E-Health-Markt Fuss zu fassen oder sich weiter zu entwickeln. (kjo)