Avaloq vermeldet "Rekordjahr", aber...

Avaloq will weitere BPO-Zentren aufbauen. Herausforderung B-Source und Arizon (Raiffeisen).
 
Der Zürcher Banken-Software-Hersteller Avaloq hat letztes Jahr nach eigenen Angaben elf Neukunden an Land gezogen. Zu den Neukunden gehört die China CITIC Bank International, die malaysische Maybank, die australische Crestone und BIL Suisse.
 
2015 habe das Unternehmen mit einem "Rekordergebnis" abgeschlossen, teilt Avaloq mit, ohne konkrete Zahlen zu nennen. Der Umsatz habe "knapp eine halbe Milliarde Franken" betragen, so der Software-Hersteller und Bankendienstleister. Auch weiss man nicht, ob sich der Begriff "Ergebnis" auf Umsatz oder Gewinn bezieht. Sicher ist: Avaloq hat letztes Jahr in der Schweiz Stellen abgebaut, gibt sich dazu aber sehr bedeckt.
 
Avaloq setzt ganz auf das Geschäftsfeld BPO. Gemeint ist damit, dass Banken vermehrt nicht nur IT-Infrastrukturen, sondern ganze Prozesse, zum Beispiel Zahlungsverkehr oder Wertschriften-Transaktionen, auslagern. In der Schweiz besitzt Avaloq die Tessiner BPO-Tochter B-Source und es gibt BPO-Zentren in Deutschland und Singapur. Man wolle BPO-Zentren in "allen wichtigen Jurisdiktionen der Finanzbranche" aufbauen, schreibt Avaloq ohne weitere Angaben zu Standorten und Zeitplänen. Bekannt ist, dass Avaloq ein BPO-Zentrum in Grossbritannien evaluiert. Avaloq hat bereits ein Entwicklungszentrum in Edinburgh. Ein Grosskunde ist bekanntlich die britische RBS.
 
Baustellen
Die Zürcher Firma, deren Chef Francisco Fernandez öffentlich erklärt hat, er wolle in den nächsten drei Jahren einen Umsatz von einer Milliarde Franken erreichen, hat aber auch Baustellen. So wird der unseres Wissens grösste B-Source-Kunde, die BSI, per Ende 2017 abspringen. BSI ist von EFG International übernommen worden und wird auf deren IT-Plattform (Temenos) migriert. Was dies für B-Source konkret bedeutet, ist unklar.
 
Eine weitere Baustelle ist das Grossprojekt Arizon. Unter diesem Namen soll ein gemeinsames BPO-Zentrum mit Raiffeisen aufgebaut werden. Ob die Migration der jetzigen Systeme von Raiffeisen (unter anderem Dialba, Avaloq, Avaloq bei Vontobel, Crealogix) bis Ende 2017 gelingt, wird in der Branche kontrovers diskutiert und unlängst in der sonst so vorsichtigen 'NZZ' hinterfragt. (hc)