SIX Financial Information und die Blockchain

Interessante Projekte beim Zürcher Finanzdienstleister.
 
Gibt es etwas langweiligeres als Finanzdaten? Spricht man mit Robert Jeanbart, seit zwei Jahren Division CEO von SIX Financial Information, so ist die Frage falsch gestellt. Der ehemalige SunGard-Mann sagt, einzig der Job bei SIX halte ihn vom Klettern und Velofahren ab. SIX habe ein riesiges, verborgenes Potential. Doch um dieses Potential ans Tageslicht zu holen, war offenbar viel Umbau nötig. Wir erinnern uns: Das Scheitern des Projekts "Magellan" hat nicht nur viel Geld gekostet, sondern führte auch zum Abgang von Jeanbarts Vorgänger. SIX Financial Information (FI) habe früher aus 24 verschiedenen Firmen mit unterschiedlichen Produkten und eigener Verantwortung für Gewinn und Umsatz bestanden, erzählte Jeanbart in einem Hintergrundgespräch mit inside-it.ch vor ein paar Wochen.
 
Jeanbart mag Bildsprache: Früher sei SIX FI ein Schwanz mit 24 angehängten Hunden gewesen, heute sei es ein Hund mit 24 Schwänzen. Software wird ganz anders entwickelt und die Zahl der Produktlinien wurde deutlich reduziert. Und SIX FI konzentriert sich auf den attraktiveren und wachsenden Markt für Referenzdaten. Einfach Daten zu sammeln, sei nicht mehr die Haupttätigkeit seiner Firma, so Jeanbart, sondern es gehe darum, komplexe Finanz-Referenzdaten zu korrigieren, pflegen und anzureichern. Dieser Markt wächst nicht nur, sondern er ist auch so komplex, dass man damit Geld verdienen kann.
 
Blockchain: Daran arbeitet SIX FI
Es ist unterdessen schon fast eine Binsenweisheit: Die Blockchain-Technologie hat das Potential, die Finanzindustrie gründlich durchzuschütteln. Eine Blockchain ist eine verteilte Datenbank, die Transaktionen redundant, allenfalls öffentlich und sicher speichert. Auch bei SIX arbeitet man an diversen Blockchain-Projekten, für uns Laien erstaunlicherweise auch bei SIX FI.
 
So entwickelt SIX FI einen Prototypen, um komplexe, an der Börse handelbare Derivate mit einer Blockchain abzubilden. Das zweite Projekt, an dem man im SIX Innovationszentrum F10 arbeitet, ist noch grösser. Man versucht unter dem Titel "Distributed Business Workflow", den ganzen Produktlebenszyklus von Wertpapieren, samt internen Prozessen in einer Blockchain abzubilden.
 
Die Versuche mit Blockchain-Technologie haben offenbar zu interessanten Ergebnissen geführt. So ist man bei SIX überzeugt, dass man auf Blockchain aufbauende Applikationen mit existierenden Technologien kombinieren kann. Dies verringert Risiken.
 
Und es ist gemäss den Blockchain-Spezialisten von SIX auch nicht nötig, immer durchgängig Blockchains anzuwenden. Man kann die Vorteile der Technologie also nur dort nutzen, wo sie auch benötigt werden. Vielleicht sind Finanzinformationen doch nicht so langweilig. (Christoph Hugenschmidt)