Salesforce wird AWS-Grosskunde

Eigene RZs bleiben, aber für den weiteren Infrastrukturausbau wird AWS benützt.
 
Soll man als grosses Internetunternehmen eigene Cloud-Infrastruktur betreiben, oder sie besser von einem der grossen Provider mieten? Der Online-CRM-Pionier Salesforce hat sich gerade mehrheitlich für letzteres entschieden. Über einen neuen Grosskunden freuen kann sich Amazon, beziehungsweise Amazon Web Services (AWS). Wie Amazon mitteilt, hat Salesforce AWS zu seinem "bevorzugten" Public-Cloud-Infrastrukturpartner ernannt.
 
Dass Salesforce AWS den Handkuss als Cloud-Provider gibt, ist nicht überraschend. Beobachter haben bereits seit längerem vermutet, dass Salesforce neuere Services von AWS betreiben lässt. In der gestrigen Mitteilung wird nun erstmals bestätigt, dass Heroku, Marketing Cloud Social Studio, SalesforceIQ und die kürzlich angekündigte Internet-of-Things-Cloud auf AWS laufen.
 
Die Infrastruktur für seine Kernangebote wie Sales Cloud, Service Cloud, App Cloud, Community Cloud und Analytics Cloud hat Salesforce aber bisher selbst betrieben, und dafür traditionell Platz in Colocation-RZs angemietet. Nun soll auch bei diesen Services vermehrt AWS genutzt werden. Der CRM-Spezialist will zwar seine bestehenden Rechenzentren - zumindest vorerst - weiterbetreiben. Für den geplanten globalen Ausbau der Infrastruktur soll aber nun AWS genutzt werden.
 
Für Salesforce ist dies ein grosser Schritt. Der schon 1999 gegründete Software-as-a-Service-Pionier hat den Betrieb der eigenen Infrastruktur in früheren Jahren als Wettbewerbsvorteil betrachtet. Gerade aufgrund seines frühen Einstiegs dürfte die Salesforce-Infrastruktur aber zuletzt nicht mehr so effizient gewesen sein, wie die der grossen Cloud-Provider. Erst vor neun Monaten kündigte Salesforce den Umstieg von einer eher traditionellen IT-Architektur auf eine moderne, viel stärker standardisierte "Web-scale"-Infrastruktur an, wie sie von Google, Microsoft oder Amazon für ihre Cloud-Plattformen benützt wird. (hjm)