Verzögertes Seco-IT-Projekt verursacht 45 Millionen Franken Mehrkosten

Der Projektabbruch von ASALneu verzögert ein Folgeprojekt. Die deshalb fehlende Schnittstelle verursacht Folgekosten von 45 Millionen Franken.
 
Eine fehlende Schnittstelle zwischen dem System der Arbeitslosenkassen (ALK) und der Regionalen Arbeitsvermittlungszentren (RAV) verursacht jährliche Kosten von 15 Millionen Franken. Angestellte der beiden Stellen müssen Unterlagen doppelt erfassen und verarbeiten. Hunderte von Arbeitsstunden gehen so schweizweit täglich verloren, wie die 'SonntagsZeitung' schreibt.
 
Die Arbeitslosenkasse arbeitet mit dem Auszahlungssystem Asal und bei den RAVs ist Avam (Informationssystem für die Arbeitsvermittlung und Arbeitsmarktstatistik) im Einsatz. Zusätzlich gibt es je ein Dokumentenmanagementsystem (DMS), in dem die relevanten Dokumente als Basis der strukturierten Daten der Systeme enthalten sind. Eine Schnittstelle für die strukturieren Daten besteht.
 
Die Verbindung der DMS für den Austausch von unstrukturierten Daten war nach der Einführung der Systeme in einem Folgeprojekt geplant und hätte 2014 geschaffen werden sollen. Dies verschiebt sich nun auf Ende 2017 oder Anfang 2018. Gemäss dem Aargauer Regierungsrat entstehen dadurch hochgerechnet auf die drei Jahre Verzögerung schweizweit Kosten von rund 45 Millionen Franken, so der Bericht der 'SonntagsZeitung' – wenn es denn bei den drei Jahren Verzögerung bleibt. Die fehlende Software kostet gegen 150 Vollzeitstellen, rechnet die Zeitung aus. Hinzu kommen Papier-, und Portokosten für versandte Dokumente.
 
"Die versprochene Realisierung der Prozessoptimierung durch eine Verbindung der DMS-Systeme scheint auch heute noch in weiter Ferne", wie Ständerat Ruedi Noser in einer Interpellation im März schreibt. Das Projekt läuft unter der Führung des Staatsekretariats für Wirtschaft (Seco). Dieses gab auf Anfrage der Zeitung keine weiteren Auskünfte.
 
In der Stellungnahme des Bundesrates heisst es, dass man sich bei der Einführung des DMS für die Arbeitslosenkassen entschieden hätte, getrennte Systeme einzuführen. Das Folgeprojekt für den Austausch von unstrukturierten Daten wurde aufgrund der "Korruptionsaffäre 2014, der Reorganisation der Ausgleichsstelle inklusive Neuorganisation der Informatik sowie des Projektabbruchs ASALneu (Erneuerung des Auszahlungssystems der Arbeitslosenkassen) im Jahr 2015 verschoben". Das Projekt soll nun in der zweiten Jahreshälfte 2016 gestartet werden.
 
Abhängig vom Nachfolgeprojekt für die Erneuerung des Auszahlungssystems der Arbeitslosenkassen geht der Bundesrat davon aus, dass die Schnittstelle bis Ende 2017 oder Anfang 2018 umgesetzt werden kann.
 
Diese Antworten reichen Noser nicht aus. "Ich habe viel eher den Eindruck, im Seco wird nicht richtig priorisiert", wird er von der 'SonntagsZeitung' zitiert. Er werde dies im Ständerat zur Diskussion stellen, um ein rascheres Handeln voranzutreiben. (kjo)