VBS als Bremsklotz beim UCC-Projekt des Bundes

Der Abschluss des Projekts Unified Communication & Collaboration (UCC) verschiebt sich um ein weiteres Jahr. Schuld ist immer noch das VBS.
 
Die Eidgenössische Finanzkontrolle hat sich, zum dritten Mal nach dem Mai 2014 und dem Februar 2015, das Projekt Unified Communication & Collaboration (UCC) des Informatiksteuerungsorgan des Bundes (ISB) zur Brust genommen. Wie die EFK in dem heute veröffentlichten zweiten Folgebricht schreibt, wird sich das voraussichtliche Projektende um ein weiteres Jahr auf Ende 2017 verzögern.
 
Im Rahmen des Projekts wird die bisherige, ISDN-basierte Festnetztelefonie bei den Bundesbehörden durch eine UCC-Plattform (Microsoft Lync) abgelöst und in die Büroautomation des ISB integriert. Und Ende 2017 wird es auch höchste Zeit, die Sache endlich abzuschliessen: Swisscom plant schliesslich schon seit 2014, ISDN- und analoge Telefonie Ende 2017 abzuschaffen. Ursprünglich war geplant, das UCC-Projekt Ende 2015 abzuschliessen, später wurde Ende 2016 als Abschlusstermin angepeilt.
 
Wie schon im ersten Folgebericht eruiert die EFK das Departement für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport (VBS) beziehungsweise dessen Leistungserbringer FUB (Führungsunterstützungsbasis der Armee) als Bremsklotz im Projekt. Das Rolloutprojekt "UCC VBS" sei nun zwar in der Realisierungsphase, solle aber erst am 30. Juni 2017 abgeschlossen sein. Deshalb verschiebe sich der voraussichtliche Endtermin des Projekts ein weiteres Mal. Dies verursacht Mehrkosten. Der Verpflichtungskredit für das Programm UCC von 54,6 Millionen Franken werde nicht beeinflusst, allerdings würden die Gesamtkosten steigen und der finanzielle Nutzen später als geplant eintreten. Ebenso müsse man länger als vorgesehen doppelte Betriebskosten tragen.
 
Die resultierenden Mehrkosten für das Programm beziffert die EFK auf rund 100'000 Franken pro Monat ab dem 1. Januar 2017. Und diese gingen gingen "zu Lasten der Gruppe Verteidigung" - sprich, das VBS muss diese Kosten übernehmen.
 
Auch finanzielle Transparenz mangelhaft
Das VBS wird von der EFK auch in Sachen finanzielle Transparenz kritisiert. Das Verteidigungsdepartement plane 21,85 Millionen Franken in das eigene Rolloutprojekt "UCC VBS" zu investieren und über den laufenden Voranschlagskredit zu finanzieren. Im Finanzierungsnachweis werde aber das Geld, das aus dem Verpflichtungskredit UCC in das VBS-Projekt fliesst (7,2 Millionen Franken), nicht erwähnt. Damit sei unklar, ob seitens des VBS zu viele Mittel geplant werden. Die EFK habe empfohlen, den effektiven Finanzierungsbedarf festzulegen und transparent auszuweisen.
 
Die EFK glaubt zudem, dass für die Finanzierung des Projektes "UCC VBS" eigentlich ein eigener Verpflichtungskredit notwendig gewesen wäre. Einen solchen nachträglich einzufordern sei zwar rechtlich korrekt aber unwirtschaftlich.
 
Auch gute Nachrichten
Immerhin gibt es auch gute Nachrichten zum UCC-Programm. Es habe seit der letzten Kontrolle "substantielle Fortschritte" gemacht, so die EFK. Viele Rolloutprojekte seien mittlerweile erfolgreich abgeschlossen worden. UCC sei nun in 45 Prozent der Verwaltungseinheiten ausgerollt und bei über
20'000 Nutzern in Betrieb.
 
Einige Teilprojekte scheinen auch weniger gekostet zu haben, als usprünglch veranschlagt, denn die EFK empfiehlt , die nicht beanspruchten Finanzmittel abgeschlossener Projekte in die Programmreserve UCC zu transferieren. Diese hat eine Höhe von fünf Millionen Franken, wovon per Ende 2015 noch 400'000 Franken nicht verplant waren. (Hans Jörg Maron)