DB plant autonom fahrende Züge

Gotthard Basistunnel. Foto (c) SBB CFF FFS
Selbstfahrende Autos, Lastwagen, Drohnen und demnächst auch Züge im Fernverkehr.
 
Die Deutsche Bahn will in wenigen Jahren Züge ohne Lokführer einsetzen. "Ich rechne damit, dass wir 2021, 2022 oder 2023 so weit sind, dass wir in Teilen unseres Netzes vollautomatisch fahren können", sagte Bahn-Vorstandschef Rüdiger Grube der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" (Freitag, 10.6.2016).
 
"Das autonome Fahren in einem komplexen Schienensystem, in dem schnelle und langsame Personenzüge sowie Güterzüge fahren, ist schwieriger als bei einer U-Bahn – aber es ist möglich", sagte Grube.

Die ersten Pilotprojekte liefen bereits, so sei ein Testfeld bei der Erzgebirgsbahn aufgebaut. Ein Bahnsprecher erläuterte dazu, auf einer rund 30 Kilometer Strecke seien ab Frühherbst die ersten Testfahrten geplant. Eine Diesellok werde umgerüstet und unter anderem mit Kameras und Sensortechnik ausgestattet. Das System solle Hindernisse zuverlässig erkennen und den Zug in solchen Fällen rechtzeitig stoppen.
 
Anders als bei geschlossenen Systemen wie U-Bahnen in Tunneln sei das Schienennetz der Eisenbahn viel komplexer, sagte der Sprecher. Ausser der Sicherheit müssten auch rechtliche Fragen geklärt werden. "Wir glauben aber, dass wir die Probleme lösen können", fügte er hinzu.
 
Autonom fahrenden U-Bahnen keine Seltenheit mehr
Das autonome Fahren ist in der gesamten Verkehrsbranche das Zukunftsthema schlechthin. Am selbstfahrenden Auto arbeiten etliche Autohersteller und Technologiefirmen. Am bekanntesten dürften die Versuche von Google sein. Auch vollautomatisierte Lastwagen werden erprobt. Auf der Schiene sind in vielen Ländern bereits U-Bahnen und Metros ohne Lokführer unterwegs, so etwas die kleine Flughafen-U-Bahn in Zürich Kloten. In Sion im Wallis gibt es autonom fahrende Shuttle-Busse.
 
Im Fern- und Regionalverkehr steuert dagegen noch immer ein Lokführer den Zug - er beschleunigt, bremst, muss Signale beachten und bei unvorhergesehenen Situationen reagieren. Es gibt hierzulande aber bereits verschiedene automatische Sicherungssystemen zur Überwachung. Sie bremsen beispielsweise einen Zug ab, wenn er ein Haltesignal überfährt oder zu schnell unterwegs ist. In der Schweiz wird ECTS (European Train Control System) Level 2 beispielsweise im Gotthard Basistunnel eingesetzt. Züge können mit ECTS Level 2 in geringeren Abständen fahren.
 
Komplett automatisierte Züge haben laut Siemens mehrere Vorteile: Sie können schneller hintereinander fahren, weil Bremsweg, Geschwindigkeit und der kleinstmögliche Abstand ständig berechnet werden, wie der Industriekonzern in einer Präsentation seiner fahrerlosen Zugprojekte von Paris über Barcelona bis Budapest und Nürnberg schreibt. Die Technologie spare Strom, ausserdem könne bei hohem Passagieraufkommen zügig eine weitere Bahn eingesetzt werden - ohne dass auch ein Lokführer bereitstehen muss. (sda / hc)