Apple lässt App-Entwickler auf Siri los

Ausserdem: OS X ist Geschichte, das MacOS kehrt zurück und es gibt viele weitere Neuerungen.
 
Apple hat an der diesjährigen Ausgabe seiner Entwicklerkonferenz WWDC in San Francisco unter anderem Informationen zu den kommenden Versionen seiner absoluten Kernprodukte iOS und MacOS geliefert. - MacOS? Genau: Apple lässt die Bezeichnung "OS X" fallen und kehrt wieder zum Namen MacOS zurück, der 2012 zuletzt für das Betriebssystem der Apple PCs verwendet wurde. Die kommende Version wird aber keine Nummer, sondern den Zunamen "Sierra" tragen. Sowohl MacOS Sierra als auch iOS 10 sollen in diesem Herbst verfügbar werden. Preview-Versionen beider Betriebssysteme sind ab heute für Mitglieder des iOS Developer Program auf developer.apple.com verfügbar.
 
Die für Entwickler wohl wichtigste Neuerung ist, dass sie mit der Lancierung von iOS X auch Zugriff auf Apples sprechende Assistentin Siri, beziehungsweise deren zugrunde liegende künstliche Intelligenz, haben werden. Dies soll es ihnen ermöglichen, auch Apps zu bauen, mit denen Nutzer via Sprache interagieren können. Zur Entwicklung solcher Apps wird Apple den Entwicklern das neue Toolset "SiriKit" zur Verfügung stellen.
 
Mit dem Erscheinen von MacOS Sierra werden zudem erstmals auch Mac-Benutzer Siri auf ihren PCs verwenden können.
 
Die Bedienung von Geräten via Sprache ist eines der Hauptthemen der diesjährigen WWDC. Apple will künftig bei der Bedienung eines grossen Teils seiner Geräte, wie etwa auch der Apple-TVs, viel stärker auf Sprache setzen. Darin zeigt sich allerdings auch eines der Probleme, die Apple gegenwärtig hat. In vielen Bereichen ist das vom verstorbenen Steve Jobs zum Mega-IT-Konzern aufgebaute Unternehmen gegenwärtig kein Pionier mehr, sondern holt eher nach, was andere bereits vorgemacht haben.
 
Der iPhone-Konzern stellte am Montag beispielsweise die in iOS 10 eingebundene "Home App" vor, über die sich verschiedene kompatible Techniken von Lampen bis hin zum Garagentor steuern lassen. Ähnliches können schon die intelligenten Lautsprecher von Amazon und Google, wobei letzterer sogar ebenfalls "Home" heisst.

Apple verspricht besseren Datenschutz
Trotzdem versucht Apple natürlich, seinen Produkten den eigenen Touch zu geben. Einer der grossen Differenzfaktoren soll der Datenschutz sein. iMessage, FaceTime und HomeKit nutzen laut Apple Ende-zu-Ende-Verschlüsselung, um die Daten des Nutzers zu schützen und sie für Apple selbst und andere unlesbar zu machen. iOS 10 greife auf die Intelligenz direkt auf dem Gerät zurück, um Personen, Objekte und Szenen zu identifizieren oder QuickType-Vorschläge zu unterstützen. Bei Konkurrenten wie Google werden die Informationen für solche Features an zentrale Server gesendet und dort verarbeitet. Dienste wie Siri, Karten und News senden laut Apple zwar auch Daten an die Server von Apple, aber diese Daten würden nicht dazu verwendet, um Nutzerprofile zu erstellen.
 
Mit Einführung von iOS 10 nutze Apple zudem eine Technologie namens "Differential Privacy", um das Nutzungsverhalten einer grossen Anzahl von Anwendern herauszufinden, ohne dabei den individuellen Datenschutz zu kompromittieren. In iOS 10 helfe diese Technologie dabei, QuickType- und Emoji- sowie Spotlight-Deep-Link-Vorschläge und Lookup-Hinweise in Notizen zu verbessern.
 
Weitere Neuerungen
Seinen SMS-Ersatz iMessage wertet Apple mit der Möglichkeit auf, mehr Videos und Musik direkt dort abzuspielen und verspricht einen einfacheren Umgang mit Emojis und Stickern. Damit soll iMessage den Facebook-Diensten WhatsApp und Messenger stärker Konkurrenz machen.

Apple versucht auch die Integration seiner verschiedenen Geräte weiter zu verbessern. So kann sich in Zukunft ein Mac-Computer automatisch entsperren, wenn sich ihm ein Nutzer mit einer entsprechend authentifizierten Apple-Watch nähert. Passagen, die man auf einem iPhone kopiert, können via das "UniversalClipboard" in der iCloud nahtlos auf einem Mac eingefügt werden. Wenn der Online-Einkauf auf einem Mac über den hauseigenen Dienst Apple Pay bezahlt werden soll, wird die Zahlung zudem statt per Passwort oder PIN per Fingerabdruck auf einem angeschlossenen iPhone freigegeben.

Ein Jahr nach Google ergänzt Apple zudem seine Foto-App mit einer Funktion zur Erkennung von Gegenständen und Situationen, nach denen dann gezielt gesucht werden kann. Im Gegensatz zum Dienst des Internet-Konzerns passiere das alles auf dem Gerät selbst, ohne dass Bilder in der Cloud gespeichert werden müssen, betonte Apple-Manager Craig Federighi in San Francisco. "Bei jeder Funktion denken wir daran, wie wir die Privatsphäre schützen können", versicherte er. Apple erstelle keine Nutzer-Profile und analysiere Daten auf den Geräten selbst.
 
Fitness-Daten teilen
Ausserdem greift Apple den Wearable-Rivalen Fitbit an, der mit seinen Fitness-Bändern im Geschäft mit tragbarer Technik führt. Man kann jetzt Fitness-Daten mit anderen teilen und die neue App "Breathe" soll mit Atemübungen für Entspannung sorgen.

Die Apple Watch ist laut Schätzungen von Marktforschern aus dem Stand zur Nummer eins bei Computer-Uhren geworden. Allerdings ist sie weit davon entfernt, für Apple ähnlich wichtig zu sein wie iPhone oder iPad und Mac. (hjm/sda)