Mit "ICT Scouts" auf der Suche nach Talenten

Flyer, mit dem über den ersten ICT Campus informiert wurde.
Die ersten "ICT Scouts" sind in Baselland nun unterwegs und die ersten Campus für talentierte und interessierte Kinder durchgeführt. Mädchenanteil: 50 Prozent (!).
 
Das Baselbieter Projekt ICT Scouts & Campus ist in diesem Jahr konkret geworden. Das Konzept ist einfach, aber für unsere Industrie ungewohnt. Ähnlich wie man es von Sport- und Musik-Förderung kennt, durchkämmen so genannte "ICT Scouts" die Sekundarschulen auf der Suche nach künftigen Informatik-Talenten. Danach nehmen die Scouts Kontakt mit den Eltern der SchülerInnen auf und laden die talentierten Kids in einen "Campus" ein.
 
Die Schulen seien sehr froh um die Scouts, sagt Dominik Strobel, der für die Kommunikation des Projekts verantwortlich zeichnet, im Gespräch mit inside-it.ch. Grund: Schulen müssen und wollen gemäss Lehrplan 21 Informatikunterricht anbieten, sind damit aber oft überfordert. So sind die ICT Scouts, die Informatik-Stunden übernehmen, willkommen. Bis jetzt haben die Scouts drei Klassen in zwei Sekundarschulen der ersten Stufe (7. Schuljahr) betreut, erzählt Strobel.
 
Das Resultat kann sich sehen lassen: Total 18 Kinder (und ihre Eltern) liessen sich für die Teilnahme an einem Campus an einem Samstag begeistern. Nicht alle Kinder wurden von den Scouts gefunden, sondern einige haben sich selbst gemeldet, weil sie von Freunden vom Campus gehört haben. Mit dem Prinzip der ICT Scouts findet man offenbar Talente, die im Normalfall unerkannt geblieben wären. So sind die Hälfte der von den Scouts entdeckten künftigen IT-Cracks Mädchen (!).
 
Spielen im Campus
Die Campus werden zum Teil vor Ort, nämlich in der GIBM (Gewerblich-industrielle Berufsfachschule) in Pratteln durchgeführt, teilweise auch online durchgeführt.
 
In einem der ersten Campus haben die Kinder eine "Chügelibahn" gebaut und mit Sensoren versehen. Dann haben sie Effekte programmiert, die von den rollenden Kugeln ausgelöst werden. Als Entwicklungsplattform haben die Lehrer Makey Makey eingesetzt.
 
Die Campus sind keine einmalige Sache. Die Kinder beginnen ungefähr mit dem 13. Lebensjahr und machen zwei bis drei Jahre weiter, bis sie entweder in ein Gymnasium eintreten oder eine Lehre beginnen.
 
Grosser Vorteil für Lehrfirmen
Gerade für Firmen, die Informatik-Lehren anbieten, hat das System der ICT Scouts & Campus enorme Vorteile. Denn die Scouts kennen die Talente ihrer Schützlinge sehr genau. Lehrfirmen können deshalb sicher sein, dass sich die Jugendlichen für eine Informatik-Lehre eignen und auch das nötige Interesse und den Durchhaltewillen haben.
 
Während die Branche gerade in Zürich mit den Informatiktagen und Berufsmeisterschaften ICT Skills viel Geld in die Nachwuchsförderung investiert, braucht es noch mehr Sponsoren und Mitglieder für ICT Scouts und Campus, sagt Strobel. Die Mitgliedschaft im Förderverein kostet je nach Firmengrösse ab 1000 Franken pro Jahr, Sponsoring gibt es ab 10'000 Franken pro Jahr. Mehr Informationen zum Konzept und zum Verein findet man hier. (hc)