Auch Schweizer Energieerzeuger schielen auf die Blockchain

Was in der Banken- und Fintech-Welt ein seit längerem diskutiertes Thema ist, wird auch in der Energiebranche zum Thema.
 
Fragt man bei den hiesigen Energieunternehmen nach dem aktuellen Engagement in Sachen Blockchain, muss man gelegentlich den Begriff noch buchstabieren. B wie Berta, L wie Ludwig, O wie Oska, C wie… Doch bei näherer Betrachtung zeigt sich dann, dass zum Beispiel Alpiq, CKW, Repower oder Energie 360 Grad und auch der Branchenverband VSE (Verband Schweizerischer Elektrizitätsunternehmen) in unterschiedlicher Ausprägung die Technologie durchaus im Blick haben. Konkrete Anwendungen gibt es zar noch keine, aber durchaus interessante potentielle Anwendungsfelder, gluaben diese Unternehmen. Insgesamt darf man wohl festhalten, dass das Thema bei den Energielieferanten noch in den Kinderschuhen steckt.
 
Übrigens ganz im Gegensatz zur Finanzbranche, wo es inzwischen selbst von der EZB (europäische Zentralbank) diskutiert wird. So teilte uns denn auch Asut-Geschäftsführer Christian Grasser mit, Blockchain sei hochaktuell in der Schweiz. Besonders die Finanzbranche und die grossen Banken engagieren sich hier direkt oder via Start-ups. Das Thema Blockchain gehe deutlich über Bitcoin und digitales Geld hinaus, und letztlich könnte jedes Geschäftsmodell, das einen vertrauenswürdigen Vermittler benötige, durch Blockchains effizienter gemacht werden, wie er meint. Und "natürlich könnte jeder Vertrag durch Blockchain ersetzt werden".
 
Auch Energieerzeiger glauben, dass die Blockchain-Infrastruktur mit ihrer Distributed Ledger Technology (DLT) als Basistechnik für ein Peer-to-Peer-Transaktionssystem erhebliche Potentiale für die immer dezentraler werdende Energieversorgung birgt. Die Technologie, so hofft man, könnte neben Transaktionen auch Verträge validieren und zwar sehr transparent. In Deutschland hat die Energiewirtschaft sich im Mai erstmals an einer Konferenz mit dem Thema beschäftigt und dabei Blockchain plakativ als "Datendemokratie statt Datenmonarchie" vorgestellt.
 
(Anmerkung der Redaktion: Vielleicht sind allerdings viele dieser Hoffnungen noch deutlich zu hoch gesteckt. Morgen werden wir an dieser Stelle einen Artikel von Christoph Jaggi zum vielgehypten Thema "Smart Contracts" veröffentlichen. Er wird erklären, wie diese digitalen Veträge funktionieren, was sie können und was nicht Und letzteres ist, so Jaggi, ziemlich viel.)
 
Schweizer Energiebranche auf dem Beobachterposten
In der Schweiz gibt man sich, beispielsweise bei Alpiq noch zurückhaltend und bezieht eine eher konservative Position zu den durch Blockchain-Technologie und Smart Contracts möglichen Innovationen. Pressesprecher Andreas Meier teilt uns mit, dass man das Thema Blockchain als einen der vielen Trends zur Digitalisierung der Wirtschaft verfolge. Ob sich die Technologie etablieren werde, hänge von mehreren Faktoren ab und bis sie sich "in der Praxis bewährt hat, wird Alpiq mit einem Einstieg zuwarten". Ähnlich argumentiert auch Daniel Piazza, Chef der Unternehmenskommunikation beim Centralschweizerischen Kraftwerk (CKW), der von einer interessanten Technologie spricht, deren Entwicklung man aufmerksam verfolge. Allerdings nennt er auch bereits mögliche Anwendungsfelder.
 
Blockchain könnte in Zukunft in der Energiebranche zum Beispiel für eine selbstorganisierte Energieabrechnung zwischen dezentralen Produzenten und Verbrauchern eingesetzt werden, hält Piazza fest und spricht damit das Thema Smart Contracts an. Piazza schreibt aber, dass es derzeit bei der CKW keine konkreten Projekte oder Aktivitäten gibt. Aktuell gehe es vielmehr darum, Privat- und Geschäftskunden über "intelligente" Steuermechanismen einfache Lösungen für die Energieoptimierung von Produktion und Verbrauch auf verschiedenen Systemebenen zu bieten, vom Gebäude über Areale bis zu ganzen Regionen. Wobei es durchaus denkbar sei, "diese Lösungen in Zukunft um Blockchain-Komponenten für die Abrechnung zu erweitern", wie Piazza anfügt.
 
Ideen sind vorhanden
Beim VSE unterstreicht man die CKW-Position, der man nichts hinzuzufügen habe, wie es in einer Mail heisst. Einen Schritt weiter ist man dagegen beim Bündner Energieversorger Repower. Zwar wird noch nichts konkretisiert, doch teilt uns Sprecherin Michaela Leuenberger mit, "Repower hat das Thema Blockchain bereits aufgenommen und sieht in der innovativen Technologie durchaus Chancen und Anwendungsmöglichkeiten". Man evaluiere Blockchain zurzeit in verschiedenen Projekten, die "heute aber noch nicht spruchreif sind", wie sie festhält.
 
Auf dem Beobachterposten befindet sich hingegen auch noch Energie 360 Grad (ehemals Erdgas Zürich). Man habe "im Moment noch keine konkreten Innovationsprojekte, bei denen die neue Technologie zum Einsatz kommt", teilt Sprecherin Iris Isenschmid mit. Allerdings sieht auch dieser Energieversorger durchaus Potentiale. Denn das offene und transparente Protokoll wäre ideal, um die Übermittlung von Smart-Energy-Daten offenzulegen, schreibt sie weiter. Via Blockchain-Technologie könnten die Daten einem klar definierten Kreis von Beteiligten zugänglich gemacht werden. Da alle Transaktionsdaten dezentral gespeichert wären, entfiele auch eine einzige Instanz, die die Daten verwaltet. Das gäbe eine ideale offene und demokratische Datenstruktur, so Isenschmid.
 
Werde zudem im Herbst das neue Gesetz für Eigenverbrauchsgemeinschaften angenommen, liessen sich Energietransaktion unter Nachbarn sehr einfach steuern und sogar abrechnen, ist man bei Energie 360 Grad überzeugt. "Mit Blockchains könnte zum Beispiel unmanipulierbar nachvollziehbar gemacht werden, wer, wann wie viel selber produzierte Energie verwendet hat und wann wieder auf den Versorger zurückgegriffen werden muss".
 
Auch beim Tochterunternehmen swisscharge.ch sehe man die Möglichkeit eine Blockchain zu nutzen, "um den Betrieb der Ladestationen weiter zu vereinfachen und das Elektro-Auto noch unkomplizierter aufzuladen". Mit einer Blockchain interagiere das Elektro-Auto und nicht der Fahrer mit der Ladestation, so die Sprecherin. Damit könne "das Elektro-Auto selbständig die Ladestation freischalten und für den bezogenen Strom bezahlen". (Volker Richert)