Im Reisswolf: Pokémon NoGo

Kolumnist Peter Wolf erklärt woran man sieht, dass Pokémon Go eigentlich nur für ein paar Hundert User konzipiert ist.
 
Ein Indiz dafür, dass die Entwickler von «Pokémon GO» tatsächlich nicht mit einem derart grossen Erfolg des Spiels gerechnet haben, mag ihr Entscheid für ein bescheuertes Benutzernamensystem sein: Der Username muss einmalig sein und darf also nicht bereits verwendet werden. Das mag bei einem Game mit ein paar hundert Usern Sinn machen - aber nicht, wenn Millionen von Menschen damit herumspielen sollen. Warum ich sowas nicht wirklich toll finde, habe ich in einer früheren Kolumne auf inside-it schon einmal dargelegt. 
 
Dass "wolf" bereits besetzt war, damit musste ich rechnen. "wwoollff" übrigens auch. "peter" ebenfalls. Jede Überprüfung eines gewünschten Namens dauert ewig - aber ohne gültigen Namen kommt man im Spiel schon nach  5 Minuten nicht mehr weiter. 
 
"Gib ein, wie dich die anderen Trainer nennen sollen" fordert das Eingabe-Fenster unerbittlich. Nur um im Anschluss an die Texteingabe zu verkünden: "Dieser Name steht nicht zur Verfügung." Oder alternierend: "Ein Fehler ist aufgetreten. Versuche es mit einem anderen Namen."  
 
Wer auf die unselige Idee verfällt, Quatschnamen (oder Obszönitäten) durchzuprobieren, könnte das Pech haben, dass einer davon tatsächlich noch frei ist und wäre dann ohne Widerrufsmöglichkeit mit diesem Spitznamen gestraft. Ansonsten aber sucht und denkt man. Soll man das Geburtsdatum an den Namen anhängen? (Nein, sollte man aus mehreren Gründen nicht.) Die Postleitzahl? Die Kleidergrösse? Die Körpertemperatur? Einen Schreibfehler einbauen? Ein "z" am Schluss? Oder gleich mehrere?
 
Irgendwann mal habe ich dann doch kapituliert und eine läppische Zahlenkombination, die ich mir merken kann, eingegeben (nein, nicht den Kontostand) und siehe da: ich habe gewonnen! Ich bin mir zwar noch nicht sicher, ob ich die Bestätigungsmeldung als Ironie auffassen soll ("Ah, ein toller Spitzname! Freut mich, dich kennenzulernen!"). Immerhin habe ich den Endgegner besiegt!
 
Glaubte ich zumindest.  
 
Aber anscheinend geht es in dem Game darum, Mönsterchen einzufangen. Und ich dachte tatsächlich, es sei ein Textadventure, in dem man sich auf die Suche mache nach dem seltenen, jungfräulichen Benutzernamen. (Peter Wolf)
 
Peter Wolf (51) beschäftigt sich seit seiner Kindheit mit Technik. Zuerst eher mechanisch durch Aufschrauben und Nachschauen, später vermehrt auch mit elektronischen Produkten und mit Services. Seit 1985 war er immer wieder mal bei Ringier beschäftigt, zuletzt als Trend Scout und Social Media Evangelist. Heute arbeitet er als Research Analyst bei e-foresight im Swisscom-Geschäftsbereich Banking und als Kolumnist und App-Tester für diverse Publikationen - unter anderem für inside-it.ch.