Skype verabschiedet sich von seinen Peer-to-Peer-Wurzeln

Clients für einige ältere Betriebssysteme, darunter Windows Phone, funktionieren ab Oktober nicht mehr.
 
Vielen dürfte dies gar nicht mehr gegenwärtig sein, aber der Internet-VoIP-Service Skype hat eigentlich eine Peer-to-Peer-Architektur. Dies ändert sich nun, beziehungsweise hat sich teilweise schon geändert, wie Microsoft-Mann Gurdeep Pall gestern in einem Blogeintrag erklärte. Microsoft, seit 2011 Besitzer von Skype, habe in letzter Zeit damit begonnen, Skype auf eine Cloud-Architektur zu migrieren. Der Übergang sei zwar noch nicht ganz abgeschlossen, aber schon seit einiger Zeit im Gang.
 
Wie Pall einräumt, hat diese grosse Umstellung auch einige unvorhergesehene Probleme verusrsacht, zum Beispiel Nachrichten, die nicht auf allen Endgeräten synchronisiert wurden. Man bemühe sich aber, den Übergang so zu gestalten, dass er von Endusern kaum bemerkt wird.
 
Für Skype-User mit älteren Betriebssystemen hat die Sache aber doch handfeste Folgen: Ab Oktober werden die Skype-Clients für Windows RT, OS X 10.6 und Windows Phone sowie iOS-Versionen vor iOS 8 nicht mehr funktionieren.
 
Architektur aus dem Desktop-Zeitalter
Peer-to-Peer bei Skype bedeutete, dass die Plattform mit sehr wenig zentraler Infrastruktur auskam. Zentrale Server wurden hauptsächlich für die Userverwaltung und Gespräche zwischen Skype und anderen Netzwerken benötigt. Gespräche zwischen Skype-Usern, Text und Videobilder wurden dagegen wenn möglich direkt von Client zu Client übermittelt. Wenn dies nicht direkt möglich war, wurden Umwege über andere Clients im Netzwerk gemacht, aber nicht über zentrale Server. Einige PCs, mit genügend starken Prozessoren und hoher Bandbreite wurden vom System als "Supernodes" gewählt, welche Verbindungen zwischen anderen Clients steuerten und koordinierten. Erst 2012 führte Microsoft erstmals permanente "Supernodes" ein, sprich zentrale Server, welche diese Aufgabe teilweise übernahmen.
 
Mit dem Übergang zur Cloud-Architektur werden nun alle Verbindungen über zentrale Microsoft-Server laufen, und die Clients sind nur noch Clients. Das hat zweifellos seine Vorteile auch für User 2003, als Skype lanciert wurde, bestand die überwiegende Mehrheit der Clients aus Desktop-PCs mit permanentem Internet-Anschluss, wie der Technologie-Experte Peter Bright auf 'Ars Technica' schreibt. Mittlerweile wird Skype aber immer mehr auf Smartphones und anderen mobilen Clients benutzt, die keine Supernode-Aufgaben übernehmen können. Wenn es aber zuwenige aktive Nodes gibt, kann das ganze Peer-to-Peer-System crashen. Das geschah 2011, als ein Software-Bug Clients in Massen zum Absturz brachte--.
 
Bei Filetransfers war es es zudem nötig, dass der Empfänger eines Files online war und den Transfer akzeptierte. Die Cloud-Architektur ermöglicht es nun, dass Files abgeschickt und später "abgeholt" werden können. Auch das Hinterlassen von Video- und Sprachnachrichten ist nur möglich, wenn diese zentral aufbewahrt werden. Und zudem kann die Servicequalität viel besser zentral überwacht und gesteuert werden.
 
Wo bleiben Offenheit und Datenschutz?
Auch Peter Bright anerkennt diese Vorteile der zentralisierteren Cloud-Architektur, kritisiert aber, dass Microsoft bei seiner Ankündigung ein Thema komplett ausblende: Den Datenschutz. Die Peer-to-Peer-Architektur sei ursprünglich unter anderem gewählt worden, um das Abhören von Skype-Gesprächen an zentralen Punkten zu verunmöglichen. Dass Microsoft das Peer-to-Peer-System nun abschaffe, erhöhe das Misstrauen, und eine Stellungnahme von Microsoft wäre darum angebracht.
 
Ausserdem, so Bright, sei Skype schon immer ein geschlossenes System gewesen, eine "Black Box", in die aussenstehende keinen Einblick hatten. Zum Beispiel konnte man sich nie vergewissern, ob die versprochene End-to-end-Verschlüsselung tatsächlich gegeben war. Der Übergang zur neuen Architektur, findet er, wäre für Microsoft auch eine Gelegenheit gewesen, mehr Transparenz über die Funktionsweise von Skype zu schaffen. Der Softwareriese mache aber auch weiterhin keine Anstalten, dies zu tun. (Hans Jörg Maron)