Bei der SBB läuft SOPRE aus dem Ruder

Die Einführung der Software zur Personal- und Rollmaterialplanung bei der SBB verzögert sich und verursacht Mehrkosten.
 
Der von der SBB 2011 an Accenture vergebene Auftrag im Wert von 18,8 Millionen Franken für das Projekt SOPRE (Simulation Optimierung und Planung Ressourcen) steckt in erheblichen Schwierigkeiten. Das legt ein Bericht von '20 Minuten' nahe. Darin wird auf einen Brief des Zugpersonalverbands (ZPV) von letzter Woche verwiesen, in dem die Mitglieder auf "bedeutende Probleme" bei der jetzt angelaufenen Einführung von SOPRE hingewiesen werden. Gegenüber der Zeitung hält ein Sprecher des ZPV fest, das System funktioniere, "gelinde gesagt, ziemlich unzuverlässig".

Derzeit werde das System von den 2200 Mitarbeitern des Zugpersonals und den Angestellten von Tochtergesellschaften wie Thurbo oder Tilo verwendet. Die 2600 Lokführer sollen wegen der technischen Schwierigkeiten erst nächsten Sommer dazu kommen. Das Blatt vermeldet zudem Verzögerungen und Probleme, die die Kosten in die Höhe treiben. Ein SBB-Mitarbeiter wird anonym mit der Aussage zitiert: "Die Beschaffung des Programms ist ein Desaster" und intern sei bereits von einem handfesten Beschaffungsskandal die Rede. Zudem habe bereits 2013 der Jahresbericht des Rangier-Personals SOPRE als "Flop" bezeichnet.
 
Als Beispiel nennt der ZPV die Arbeitszeiterfassung, die via SOPRE direkt mit den Fahrplänen synchronisiert werden soll. So sollten etwa Zugverspätung automatisch als Mehrarbeit der Mitarbeiter vergütet werden. Allerdings funktioniere das oft nicht, weshalb der Verband dem Personal empfiehlt Überstunden von Hand aufzuschreiben. Auch für die Gewerkschaft des Verkehrspersonals (SEV) ist es eine mühsame und zeitaufwendige Situation, wenn trotz des teuren Einteilungssystems noch Schattenrechnungen angestellt werden müssten. Deswegen bestünde mit der SBB seit längerem "ein Riesen-Gstürm".
 
Dem Blatt gegenüber gibt die SBB zu, dass man die Komplexität des Gesamtprojektes unterschätzt habe und die SOPRE-Einführung, anders als ursprünglich geplant, etappenweise vornehmen musste. Auch wird bestätigt, dass etwa der grosse technische Integrationsgrad "nicht nur zu einer Verzögerung des Projektes, sondern auch zu Mehrkosten geführt" hat. Konkrete Angaben dazu wollte die SBB aufgrund des noch laufenden Projektes aber nicht machen. Beim ZPV weiss man ebenfalls nicht, wie viel Geld in die Nachbesserungen fliessen wird, hält aber fest, dass bereits "haarsträubende Zahlen" kursieren würden. (vri)