EU schafft Roaming-Gebühren praktisch ab

EU-Bürger sollen ab Juni 2017 im EU-Ausland telefonieren und mobil surfen können, ohne dass Roaming-Gebühren anfallen - zumindest 90 Tage lang jedes Jahr. Mit dieser Einschränkung will die Kommission verhindern, dass Kunden bei einem billigeren ausländischen Anbieter einen Vertrag abschliessen, ihn aber nur im Heimatland nutzen. Mit den 90 Tagen decke man aber praktisch jeden Bedarf von Privat- und Geschäftsreisenden. Grenzpendler sollen davon ausgenommen sein. Nach 30 Tagen ununterbrochenem Aufenthalt im Ausland sollen Betreiber aber ein Einwählen im Heimatnetz verlangen können.
 
Für die Schweiz hat diese Entscheidung keine direkten Auswirkungen. Wie uns Telekom-Experte vom Konsumentenportal Verivox Ralf Beyeler auf Anfrage erklärt, dürfte sich die EU-Regelung jedoch indirekt auswirken. So erwartet er etwa, dass Swisscom im nächsten Jahr die Roaming-Preise senken wird.
 
Hierzulande könnte die Politik den Schweizer Anbieter zwar Maximalpreise vorschreiben. Das ist laut Beyeler jedoch nicht sinnvoll, denn die hiesigen Telcos kaufen im Ausland bei ausländischen Providern ein. "Eine Regulierung macht nur dann Sinn, wenn auch die Einkaufskonditionen reguliert sind", so Beyeler weiter. Um die Schweizer Roaming-Preise zu regulieren, brauche es daher bilaterale Verträge zwischen der Schweiz und der EU, wie uns auch das Bundesamt für Kommunikation (Bakom) bestätigt. Eine einseitige Festlegung von Roaming-Endkundenpreisen würde die Schweizer Anbieter, insbesondere die kleineren Anbieter, der Gefahr eines unfairen Preisdrucks aussetzen, so das Bakom weiter. Beyeler glaubt somit auch nicht, dass es hierzulande zu einer offiziellen Regulierung des Roamings kommen wird. (Katharina Jochum)