Cryptocurrencies: Zahlungsverkehr und Vermögenswerte in der Praxis

Rik Willard in Zürich (Foto: financialmedia)
An der Konferenz Finance 2.0/Crypto 16 nahmen nicht nur Fintechs und die Finma teil, sondern auch weitere Branchen. Dies mit gutem Grund.
 
Cryptofinance, Blockchains und Distributed Ledger Technology (DLT) werden immer wichtiger. Es erstaunt deshalb nicht, dass die Veranstaltung Finance 2.0: Crypto '16 vom 13.9. im Zürcher Kunsthaus restlos ausgebucht war. 215 Teilnehmer zählte Co-Organisator Rino Borini: "Vom U20 bis zum Ü50, vom Techie bis zum Manager."
 
Die Referate deckten ein breites Spektrum ab, von den Grundlagen über neue Geschäftsmodelle, konkrete Anwendungsbeispiele und Problemkreise bis zu Smart Contracts. Entsprechend waren nicht nur Banken, Fintechs und die Finma vertreten, sondern viele Sektoren, bei denen Payments eine wichtige Rolle spielen, darunter 15 Prozent Gäste aus dem Ausland.
 
Mit Cryptocurrency und Blockchain Künstler entlöhnen
In einer Keynote zeigte Rik Willard (Gründer der Agentic Group, einem globalen Blockchain Konsortium aus New York) die Möglichkeiten der Kombination von Cryptocurrency und Blockchain im Bereich Kultur auf. Seine Kernaussagen: Betrachtet man den Konsum von Kulturprodukten wie Bilder, Videos und Texten als transaktional, so können bestehende Ineffizienzen in der Vermarktung unter gewissen Umständen umgangen werden.
 
Grundvoraussetzung einer Umgehung ist Transparenz bei einem kulturellen Werk darüber, wem was daran gehört. Die Werke werden zusammen mit den Eigentumsrechten auf einer Blockchain gespeichert. Bedingung ist allerdings, dass sämtliche Rechte an Bildern, Videos und Texten vorhanden sind.
 
Greift ein Nutzer auf diese multimedialen Werke zu, so wird ihm ein Micropayment von seinem Wallet abgebucht und unverzüglich anteilsmässig auf die Rechteinhaber verteilt.
 
Neue Möglichkeiten ergeben sich auch für das Crowdfunding: Man kann Projektfinanzierungen mittels einem Smart Contract so absichern, dass Zahlungen erst ausgeführt werden, wenn die vordefinierten Einnahmen erreicht sind. Bei Nichterreichen der Zielvorgaben kann eine Rückabwicklung automatisch erfolgen.
 
Einsatzbeispiele im Finanzsektor
Niklas Nikolajsen von Bitcoin Suisse zeigte in seiner Keynote praktische Einsatzbeispiele im Finanzsektor auf. In diesem Bereich werden Cryptocurrencies als eigene Vermögensklasse behandelt, primär als Substitut für traditionelle Währungen. Nebst Bitcoin-ATMs sind das Geldwechseldienste zwischen Cryptocurrencies und traditionellen Währungen und das Führen von Bitcoin-Konten.

Nikolajsen erläuterte, dass insbesondere bei Zahlungen in ein Land und aus einem Land mit starken Kapitaltransfer-Restriktionen, es äusserst vorteilhaft sein kann, den Umweg über Cryptocurrencies wie Bitcoin zu wählen.
 
Risiken im Allgemeinen und im speziellen von Smart Contracts
Was geschieht bei Diebstählen oder Defekten zeigten diverse Referate und die Podiumsdiskussion auf. Die wichtigsten Aussagen zusammengefasst: Verliert man bei Cryptocurrencies seinen privaten Schlüssel, so ist das Geld weg. Dabei ist es unerheblich, ob nur der private Schlüssel geklaut wird oder das Gerät mit dem Wallet. Dasselbe gilt, wenn das Gerät mit dem Wallet aufgrund eines technischen Defekts unbrauchbar wird.
 
Bei Smart Contracts kommt es darauf an, dass diese in sich sicher sind und dass alles was nötig ist, vorhanden ist. Komplexe Smart Contracts bergen viel mehr Risiken als einfache Smart Contracts. Am Beispiel des Geldabflusses bei einer Ethereum DAO (Decentralized Autonomous Organization) zeigt sich, dass zur Lösung des Problems des unerwünschten Geldabflusses kein Hard-Fork notwendig gewesen wäre, wenn der Smart Contract die Möglichkeit einer Rückabwicklung vorgesehen hätte.
 
Positive Konferenz-Bilanz
"Mit dem Ergebnis der Konferenz sind wir sehr zufrieden, da sämtliche Zielsetzungen erreicht oder gar übertroffen wurden“, bilanzierte Organisator Borini gegenüber inside-it.ch die Konferenz 2016. Cryptocurrencies und Blockchain sind Themenbereiche, die auch künftig immer mehr an Relevanz gewinnen werden und nicht auf die Finanzbranche beschränkt sind. Die nächstjährige Konferenz wird da sicher neue Einblicke geben. (cj)
 
Downloads von Präsentationen der Speaker
 
(Interessenbindung: wir sind Medienpartner der Konferenzen von financialmedia).