Fahrerlos durch die Strassen von Pittsburgh

Eines der selbstfahrenden Autos von Uber. Bild: Uber
Autonome Autos vor dem Durchbruch?
 
Der US-Fahrdienstvermittler Uber kutschiert Passagiere ab sofort auch mit selbstfahrenden Autos - zumindest testweise in Pittsburgh in den USA. Die ersten vier entsprechend ausgerüsteten Wagen vom Typ Ford Fusion wurden gestern Mittwoch in Betrieb genommen.
 
Vorerst begleiten zwei Uber-Techniker jede Fahrt, um sicherzustellen, dass alles glatt läuft. Wenn die ersten Tests erfolgreich sind, kann das Unternehmen nach eigenen Angaben kurzfristig ein Dutzend weitere autonome Autos einsetzen.
 
Mit diesem Test von selbstfahrenden Autos in einer realen Anwendungssituation – in einer belebten, verkehrsreichen Stadt und mit echten Fahrgästen – kommt Uber Technologieriesen wie Google, aber auch traditionellen Autoherstellern zuvor, die selbst mit Hochdruck an selbstfahrenden Autos arbeiten. Uber hatte diesen gegenüber den Vorteil, dass bei den traditionellen Fahrten riesige Datenmengen gesammelt werden konnten, etwa über Verkehrsnetze und den Zustand der Strassen.
 
Herausforderung Pittsburgh
Uber selbst wurde zwar zeitlich gesehen noch um einige Tage von einem Startup namens NuTonomy geschlagen, das vor zwei Wochen einen öffentlichen Taxidienst mit autonomen Autos in Singapur gestartet hat. Der Pilotbetrieb dort ist aber aber auf ein einzelnes, relativ kleines und verkehrsarmes Quartier beschränkt.
 
In Pittsburg testet Uber seine autonomen Autos an einer sehr viel grösseren Herausforderung. Die von der Stahlindustrie geprägte Heimat der Pittsburgh Steelers und der Pittsburgh Penguins hat, wie 'Reuters' beschreibt, viele steile, enge und mit Schlaglöchern übersähte Strassen. Dazu kommen Tunnels und über 440 Brücken. Im Winter gibt es viel Schnee und Eis und im Frühling könnnen blühende Bäume Strassensignale verdecken.
 
Auch die Uber-Autos werden aber nicht gleich auf die ganze Stadt losgelassen. Wie andere Fahrzeuge, die komplett autonom sich im realen Strassenverkehr bewegen können sollen, können sie beim heutigen Stand der Softwaretechnik nur Gebiete befahren, die bereits im Vorfeld in einem hohen Detailgrad kartografiert wurden. Die bereits vorhandene Umgebungsinformation erlaubt es ihnen, viel einfacher temporäre "Hindernisse" wie andere Autos oder Fussgänger zu erkennen und sich darauf zu konzentrieren.
 
Im Rahmen der Tests in Pittsburgh werden sich die autonomen Autos vorerst in einem Gebiet von rund 30 Quadratkilometern in der Innenstadt bewegen. Das Testgebiet soll nach und nach ausgeweitet werden.
 
Bald auch ohne Kindermädchen?
Die mit Lasertechnik, Sensoren und Kameras ausgestatteten Autos werden zudem laut Uber nur die "loyalsten" Uber-Kunden in Pittsburgh transportieren. die per App eine Fahrt bestellen.
 
Ein Uber-Techniker sitzt auf dem Fahrersitz, so dass er jederzeit die Kontrolle übernehmen kann. Der andere überwacht das Verhalten des Autos. Uber will die Autos in Zukunft auch ohne menschliche Begleiter testen, äusserte sich aber noch nicht dazu, wann es soweit sein könnte.
 
Uber hatte die Wagen knapp zwei Jahre lang mit dem Strassennetz von Pittsburgh vertraut gemacht. Bei einer Präsentation für Journalisten vor dem offiziellen Start am Mittwoch zeigten sich kaum Probleme. (hjm/sda)