So wollen Ringier, Google & Co. die Schweiz digitalisieren

Was wie Luftblasen aussieht, ist die Website von Digitalswitzerland.
Bislang kümmerte sich ein Verbund von Konzernvertretern unter dem Namen DigitalZurich2025 um Zürich. Neu wollen sie als Digitalswitzerland die Schweiz als Zentrum digitaler Innovation in Europa positionieren und uns alle digital weiterbilden.
 
Marc Walder (CEO des Medienkonzerns Ringier) und Patrick Warnking (Country Director Google) sieht man nicht jeden Tag an einer gemeinsamen Medienkonferenz auftreten. Am 16.9. taten sie es. Und zwar als Gründer und Vorstandsmitglieder der Standortförderungsinitiative DigitalZurich2025.
 
Und sie packten gleich drei News in einen einstündigen Event: eine neue Ausrichtung der Initiative, eine Studie und eine neue Aktivität.
 
Sie lobten Cluster-Konzepte im Allgemeinen und im speziellen die "unglaubliche Stärke der Schweiz miteinander zu reden", so Warnking. Nun sei es "extrem wichtig", die Digitalisierung der Schweiz voranzutreiben und dafür wollen die Konzernvertreter alle Kräfte bündeln und zwar national. Entsprechend heisst man neu Digitalswitzerland und das bislang namensgebende Jahr 2025 wird archiviert.
 
Der Verein mit so illustren Mitgliedern wie Credit Suisse, UBS, Swisscom, Swiss Life und Ernst & Young (der Mitgliederbeitrag ist übrigens 50'000 Franken billig) startet die Expansion in die Westschweiz, in die Region Basel und ins Tessin und eröffnet ein Büro an der EPFL.
 
Nicht mitgebündelt werden offenbar Kräfte in Bundesbern, und auch die traditionellen Verbände wie Swissmem und ICTswitzerland sind nicht offiziell eingebunden. Man pflege den Dialog mit allen und sei offen für alle, so Warnking gegenüber inside-it.ch.
 
Konkret hat man die Kräfte für den diesjährigen Schweizer Auftritt an der CeBIT gebündelt und in Zusammenarbeit mit dem AWA (Standortförderung Zürich) und der Kommission für Technologie und Innovation (KTI) acht Startups nach Hannover gebracht und dort ihre Sichtbarkeit verstärkt. Immerhin. Drei weitere Initiativen hat man laut Eigenaussagen im Geburtsjahr selbst lanciert: Kickstart Accelerator, den Investor Summit und das Worldwebforum.
 
KMUs sollen Kunden in den Fokus rücken
Als Nächstes stellt Digitalswitzerland die Digitalisierung von KMUs ins Zentrum. Und diese ist sicher zwingend, schliesslich will der Verein - so die Verantwortlichen sehr selbstbewusst - die Schweiz als Zentrum digitaler Innovation in Europa positionieren.
 
Aktuell aber gibt es in der Schweiz mehr Digitalisierungsinitiativen aller Art als digitalisierte KMUs, das zeigt die ebenfalls präsentierte Studie "Digitalisierung - wo stehen Schweizer KMU?". Laut Studie konzentrieren sich die KMUs auf die Digitalisierung der internen Prozesse, auf Websites oder E-Commerce-Lösungen. "Der Kunde und seine Erfahrung stehen noch selten im Mittelpunkt der Geschäftsprozesse", so die Studie von PwC Schweiz, Google Switzerland und Digitalswitzerland.
 
Bürger digitalisieren
Zum Dritten hat sich der Verein vorgenommen, die digitale Aus- und Weiterbildung der hiesigen Bevölkerung voranzutreiben und stellte eine "Education Digital Platform" vor.
 
Die Plattform ist eine kostenlose Suchmaschine für Fortbildungsangebote, die aktuell 2000 Kurse von unterschiedlichen Anbietern anzeigt. Darunter findet sich Google mit AdWords-Kursen, die Migros Klubschule (beispielsweise Webdesigner Expert mit DIPLOMA) oder Digicomp (VMware vCloud Director 5.5: Install, Configure, Manager). Nicht zu finden sind Kurse von ICT-Firmen wie Zühlke Engineering, New Horizons Training oder ti&m, aber wer weiss.
 
Im Direktgespräch mit inside-it.ch zeigten sich die Schulvertreter zurückhaltend, wieviele zusätzliche Kursteilnehmer sie sich erhoffen. "Der eine oder andere vielleicht", hiess es, man sei im Markt ja bekannt. Eher freuten sie sich über die grössere Transparenz und die geplanten öffentlichen Ratings durch Kursteilnehmer, welche Anbietern die Konkurrenzanalyse erleichtern.
 
Multiplikatoren sollen den Konzernen helfen
Die Plattform ist trotzdem durchaus gelungen, das Angebot schon heute attraktiv. Aber wie steht es mit dem Marketing, das den Bildungshungrigen die Education Digital Plattform bekannt macht? Weiteres Geld wird der Verein nicht investieren, man baut stark auf die Verbreitung durch Multiplikatoren wie Medien und Verbände. Auf Nachfrage versprach Warnking, er werde mit Namics, dem Plattformbauer und Digitalswitzerland-Mitglied, besprechen, "was bei einem namhaften Suchmaschinen-Betreiber zu machen ist."
 
Und ganz nebenbei gut zu wissen
Nebenbei erfuhr man auch noch, dass die Education Digital Plattform vom KMU Namics gebaut wurde, doch dabei nicht voll finanziert wurde von den starken Mitgliedern von Digitalswitzerland, sondern mehrheitlich pro bono gearbeitet hat.
 
Ebenso nebenbei hörte man, dass das Engagement von Sunnie Groeneveld als Managing Director auf ein Jahr begrenzt gewesen sei, der neue Direktor heisst Stephan Kuester, aktuell auch Director Marketing and Communications, EMEIA Area von EY. Er hat bald einen ersten Entscheid zu fällen, den die zu bündelnden ICT-Kräfte interessiert erwarten: ist Digitalswitzerland auch bei der CeBIT 2017 engagiert und wie? (Marcel Gamma)