Rekordinvestment für Schweizer Fintech-Startup Financefox

Das Zürcher Startup Financefox erhält die Rekordsumme von 28 Millionen Dollar an frischem Kapital aus Hong Kong, San Francisco, Berlin und Moskau.
 
Insurtech - Fintech für Versicherungen - ist ein heisses Thema. Und ein Player, Financefox, ist offenbar optimal positioniert, um mit Hilfe von Technologie und Big Data sowohl Brokern, als auch Versicherern und Endkunden Profit zu bringen.
 
Unter all den Startups, welche die Versicherungsbranche umkrempeln wollen, konnte bislang nämlich kein Insuretech-Startup eine vergleichbar hohe Summe einsammeln wie die 2014 gegründete Zürcher Firma.
 
Das frische Kapital stammt nicht aus der Schweiz, meldet Financefox, sondern vom US-Russisch-Deutschen Venture Capital-Fonds (VC) Target Global und von Horizons Ventures, dem VC-Vehikel von Li Ka-shing aus Hong Kong, dem offiziell achtreichsten Mann der Erde.
 
Der App-Hersteller Financefox konnte letzten Januar bereits eine Finanzierungsrunde über 5,5 Millionen Dollar abschliessen. Damals holte man für die Expansion nach Deutschland unter anderem Kapital von Salesforce Ventures, Angellist, Seedcamp und Speedinvest an Bord.
 
Das neue Geld soll in die Expansion nach Österreich, UK und Holland fliessen, in die Software-Entwicklung und das Marketing.
 
"Digital-humanes" Geschäftsmodell
Für Endkunden ist Financefox im Prinzip ein kostenloser Versicherungsmakler: Wer sich über die App anmeldet, unterzeichnet eine Maklervollmacht und übergibt Financefox die Aufgabe, sich um seine Versicherungsbelange zu kümmern. Geld verdient Financefox, indem es für Versicherungen den grössten Teil der Administration und den Support in Sachen Versicherungen abwickelt.
 
Das Modell ist nicht rein digital, man lässt auch zu, dass sich herkömmliche Versicherungsbroker einloggen können.
 
Es ist also eigentlich ein klassisches Businessmodell, und dann interessant, wenn man den Versicherungsprozess soweit als möglich digitalisiert und gleichzeitig Versicherungen und Broker "mitnehmen" kann. "Wir wollen ein 'Change Agent' für die ganze Versicherungsindustrie sein", sagt Mitbegründer Julian Teicke laut 'Techcrunch'.
 
Gut vernetzte Gründer und Mitarbeitende
Financefox ist das Folgeprojekt der DeinDeal-Gründer Julian Teicke, Amir Suissa und Dario Fazlic. Geschäftsführer Schweiz ist Michael John, der gleichzeitig Präsident der IG B2B for Insurers & Brokers ist, einer Interessensgemeinschaft der in der Schweiz und/oder im Fürstentum Liechtenstein tätigen Versicherungsbroker, Softwarehersteller und Versicherer. Diese hat auch Vertreter von SWICA, Helvetia und Zürich im Vorstand.
 
Aktuell beschäftigt Financefox 80 Mitarbeitende.
 
Imagegewinn für Schweizer Fintech-Startups?
Im Vergleich zu andern Schweizer Startups entfällt auf Fintechs bislang nur ein kleiner Teil des Risikokapitals: 21 Millionen Franken von total 130 Millionen pro Jahr, so die Studie Swiss Venture Capital Report 2015.
 
Bisheriger Fintech-"Rekordhalter" war der rein digitale Versicherungsmakler Knip, der sich in der letzten abgeschlossenen Finanzierungsrunde 15 Millionen Franken Kapital sichern konnte. (mag)