Avaloq: "Wir sind in Deutschland nicht gescheitert"

Der Banken-Softwarehersteller muss ein Projekt in Deutschland auf Eis legen. Nun reden Juristen.
 
Avaloq erlebe in diesen Tag ein "Waterloo in Deutschland" schreibt 'Inside Paradeplatz'. Ein Vorzeigeprojekt des Schweizer Banken-Softwareherstellers mit der deutschen Privatbank BHF sei auf Eis gelegt worden, es drohe eine Klage.
 
Avaloq bestätigt heute gegenüber inside-it.ch, dass es Probleme mit der Implementierung der Avaloq Banking Suite bei der BHF gibt. "Die Einführung wurde vorübergehend ausgesetzt," so Mediensprecherin Juliska van den Brom.
 
Von einer Klage weiss man aber bei Avaloq nichts: "Bis heute ist keine Klage bei uns eingetroffen. Die BHF-BANK und Avaloq führen weiterhin Gespräche", so die Mediensprecherin. Ob dies so bleiben wird, will sie nicht kommentieren.
 
Wortkarg bleibt auch die BHF: "Wir können den Vorgang nicht kommentieren, weil es ein laufendes Projekt ist und dies zwischen den Parteien so vereinbart wurde." Offiziell distanziert sich auch niemand von einer Aussage von Philippe Oddo, dem Vorsitzenden der BHF-Bank. Er sagte Ende August dem 'Private Banking Magazin' optimistisch: "Wir stellen auf das Avaloq-System um. Das ist eine grosse Herausforderung, wird uns künftig aber deutlich besser, schneller und effizienter machen."
 
Ist es Juristenfutter oder Informatik-Futter?
Welche Probleme hat man denn konkret? "Da wir mit BHF Stillschweigen vereinbart haben, kann ich nicht mehr dazu sagen", heisst es aus Zürich. Immerhin lässt sich Avaloq entlocken, es gehe nicht um technische Probleme, es gehe um unterschiedliche Vertragsauslegungen.
 
Das umstrittene Implementierungsprojekt ist schon relativ weit fortgeschritten, das heisst, ein Abbruch dürfte nicht im Fokus der Parteien stehen. Aber wie sieht es mit dem geplanten Go-Live-Termin vom 1. Oktober aus? "Der Termin ist ebenfalls Gegenstand dieser Gespräche", so Avaloq.
 
"Wir sind in Deutschland nicht gescheitert"
Die Zürcher dementieren die These von 'Inside Paradeplatz', dass Avaloq in Deutschland gescheitert sei. Es gebe auch keine Probleme mit Julius Bär Deutschland, so die Avaloq-Sprecherin. Es sei falsch, was 'Inside Paradeplatz' basierend auf einer anonymen Quelle meldet.
 
"Von einem gescheiterten Markteintritt kann nicht die Rede sein", sagen die Zürcher und versuchen, mit einer Positivmeldung in die Offensive zu gehen. Die Deutsche Apotheker- und Ärztebank (apoBank) und Avaloq haben heute einen Vertrag zur Evaluierung einer zukünftigen Zusammenarbeit unterzeichnet.
 
Einen Grosserfolg im deutschen Markt kann man dies nicht nennen, aber immerhin. Die beiden Firmen wollen nun bis zum Ende des ersten Quartals 2017 analysieren, inwiefern die Umsetzung der apoBank-IT-Strategie mit der Avaloq Banking Suite möglich ist. Die Evaluation wird laut Mitteilung von Hewlett Packard Enterprise, Orbium und Avaloq gemeinsam durchgeführt. (Marcel Gamma)