Herbstnebel über der Schweizer Softwareindustrie

Die Uni Bern veröffentlicht die Resultate des zweiten Swiss Software Industry Survey. Kernaussagen: Die Branche wächst immer noch kräftig, hat aber etwas an Schwung verloren. Und: Cloud-Computing ist bei den meisten Anbietern noch marginal.
 
Wie geht es der Schweizer Software-Industrie? Gibt es überhaupt eine - und wenn ja: Ist es eine Exportindustrie? Diese Fragen untersucht das Institut für Wirtschaftsinformatik der Uni Bern mit dem Swiss Software Industry Survey seit zwei Jahren. Unterstützt wird die Uni Bern durch das Basler Institut für Wirtschaftsfragen. Dieses hat die Plausibilität der vorgelegten Resultate untersucht. So gute Zahlen zur Schweizer Software-Industrie gab es noch nie.
 
(Kräftiges) Wachstum flaut etwas ab
Die spannendste Zahl zuerst: Die Schweizer Software-Industrie erwartet immer noch ein beeindruckendes Wachstum, doch ist sie nicht mehr so optimistisch wie vor einem Jahr (siehe Illustration oben). Am optimistischsten sind heute die Hersteller von Standard-Software. Sie erwarten im Durchschnitt ein Wachstum von 8,2 Prozent (Vorjahr: 8,7 Prozent). Individualsoftware-Hersteller sind aber offenbar unter Druck: Sie erwarteten bei der letzten Umfrage nur noch ein Wachstum von 3,3 Prozent (Vorjahr: 6,5 Prozent).
 
Am krassesten ist der Unterschied der Erwartungen bei den Beratungshäusern: 2014 hofften sie auf ein Wachstum von 18,1 Prozent, bei der neuesten Umfrage nur noch von 4,3 Prozent. Ist das der Einfluss der tieferen Preise durch ausländische Konkurrenten?
 
Profitables Business
Die Uni Bern hat auch ermittelt, wie profitabel die einzelnen Sub-Branchen der Software-Industrie sind. Auch hier schwingen die Hersteller von Standartsoftware oben aus: Die meldeten eine EBIT-Marge von 7,8 Prozent. Ähnlich profitabel arbeiten Indidividual-Softwarehersteller (7,6 Prozent) während Beratungshäuser (7,1 Prozent) und Software-Integratoren (6,7 Prozent) weniger profitabel sind.
 
Cloud-Umsätze noch marginal
Das Team des Berner Instituts für Wirtschaftsinformatik
hat auch nach Umsatzquellen gefragt und interessante Antworten bekommen. So stammen knapp 40 Prozent des Umsatzes der Standardsoftware-Hersteller von Aufträgen zur Individualisierung ihrer Lösungen. Nur ein gutes Viertel der Umsätze kommt vom Verkauf von Lizenzen (27,8 Prozent) und von Wartungsgebühren (14,4 Prozent) Und nicht mal fünf Prozent des Umsatzes machen die Schweizer Hersteller von Standard-Lösungen als Cloud-Anbieter!
 
Die teilnehmenden Firmen
Am Swiss Software Industry Survey haben 576 Firmen teilgenommen, 268 haben die Fragen komplett ausgefüllt und 225 Firmen haben Angaben zu Umsatz und Profitabilität gemacht.
 
Teilnehmer werden mit einem unseres Wissens einmaligen Service belohnt: Sie können ihre eigenen Zahlen sehr granular mit einer genau definierbaren Auswahl von Software-Firmen vergleichen. Das Benchmarking-Tool der Uni Bern wurde heute gezeigt und hat uns gut gefallen. (hc)
 
Hinweis: Wir werden morgen in einer ausführlichen Grafikstrecke weitere Aspekte beleuchten. Insbesondere: Welche Exportstrategien funktionieren, welche nicht, Umsatz pro Mitarbeitende nach Sub-Branchen und einiges mehr.