Steuererleichterungen für Tech-Startups im Kanton Zürich

Startups reagieren vorsichtig positiv.
 
"Bis zum Vorliegen von repräsentativen Geschäftsergebnissen entspricht der Vermögenssteuerwert von Anteilen an Start-up-Gesellschaften dem Substanzwert." Mit diesem Satz in einer heute veröffentlichten Weisung will die Finanzdirektion des Kantons Zürich Startup-Unternehmen entgegenkommen.
 
Der Hintergrund: Jungunternehmer drohten mit dem Wegzug aus dem Kanton und begründeten dies mit der Steuergesetzgebung des Kantons. Sie kritisierten, dass die zu entrichtenden Vermögenssteuern für die Aktien unter Umständen das Basiseinkommen der Jungunternehmer überstiegen.
 
Ein Beispiel dafür ist Starmind International. Die Firma versucht gerade, sich auch im Silicon Valley zu etablieren. Pascal Kaufmann, 2010 Gründer und aktuell CEO der Nordamerika-Sparte sagt: "Mit Blick auf das Umfeld für Startups hatte die Schweiz und insbesondere Zürich aus meiner Sicht einiges an Attraktivität eingebüsst. Die widersprüchlichen Signale zur Startup-Besteuerung waren der Hauptgrund dafür. Ein Wegzug aus dem Kanton und insbesondere ins Ausland wurde und wird bei uns intensiv diskutiert."
 
Entsprechend interessant ist es, wenn der Kanton mit dieser neuen Weisung noch weitergeht, als bereits mit der letzten Praxisänderung. Im März hatte er bereits entschieden, Startups nur zum bedeutend tieferen Substanzwert zu besteuern, statt sie danach zu bewerten, wie viel Geld sie durch Investoren erhielten. Die Erleichterungen galten bis anhin für die ersten drei bis fünf Jahre.
 
Verlängerung der Schonfristen
Nun wird die "Schonfrist" nochmals verlängert, nämlich bis zum Zeitpunkt, da "repräsentative Geschäftsergebnisse" vorliegen. "Der Grund für diese Bestimmung liegt bei der Bewertungsunsicherheit, die bei solchen Firmen in der Anfangsphase in der Regel sehr hoch ist", schreibt die Finanzdirektion in einer Medienmitteilung.
 
Konkret kommen die von Investoren bezahlten Preise bei der Aktienbewertung künftig also erst nach dieser Aufbauphase in die Steuerrechnung.
 
Joachim Hagger, CEO und Mitgründer des 2015 gegründeten ETH-Spinoffs 4Quant äussert sich vorsichtig positiv: "Das ist grundsätzlich sinnvoll und entspricht dem gesunden Menschenverstand." Gerade bei Startups mit langen Investitionszyklen wegen Zertifizierung ihrer Software oder regulatorischen Anforderungen, sei diese Verlängerung sinnvoll.
Pascal Kaufmann stimmt ihm zu: "Dies sehe ich als positives Signal und Bekenntnis zum Technologie-Hub Zürich."
 
"Die Weisung könnte noch zu Diskussionen Anlass geben"
Es gibt zwei relevante Definitionen in der Weisung. Da ist zum einen der erstmalige Versuch einer Definition eines "Startup". Dies seien "Kapitalgesellschaften (AG oder GmbH) mit einem innovativen, üblicherweise technologiegetriebenen Geschäftsmodell, das sich im Aufbau befindet und skalierbar ist", so die Finanzdirektion. Sie meine damit Firmen, die "innovative technologische Produkte oder Dienstleistungen entwickeln, die sich am Markt noch nicht etabliert haben, aber darauf ausgerichtet sind, dass sie in multiplizierter Form marktfähig werden."
 
Es ist klar, dass damit nicht die Gründung einer Bäckerei gemeint ist und auch keiner Digital-Werbeagentur. Trotzdem ist die Definition relativ offen. Das glaubt auch Startup-Unternehmer Hagger. "Sie könnte noch zu Diskussionen Anlass geben."
 
Zum andern ist die genaue Bedeutung des Terms "repräsentative Geschäftsergebnisse" und wann diese erreicht sind nach Haggers Meinung erklärungsbedürftig. Gleicher Meinung ist Starmind-Mastermind Kaufmann: "Auch wenn die Weisung der Finanzdirektion noch einen gewissen Auslegespielraum zeigt, verbessert sich damit das Umfeld für innovative und skalierbare Startups merklich."
 
Mit dieser Weisung sollen sich für Inhaber von Startup-Beteiligungen im Kanton Zürich "mindestens gleich gute Bedingungen wie in anderen Kantonen" ergeben, erläutert die Finanzdirektion. Kaufmann sagt optimistisch: "Zürich wird damit wieder attraktiver für Startups und Talente. Well done Zurich!"
 
Erarbeitet hat die Weisung eine vom Finanzdirektor Ernst Stocker geleitete Arbeitsgruppe aus Vertretern der ETH Zürich, der Empa, der Zürcher Kantonalbank, des Amtes für Wirtschaft und Arbeit sowie des Steueramtes. Sie hörte dabei auch Vertreter der Startups an. (Marcel Gamma)