Störung bei Level 3: DDoS oder nicht? (Update)

Die Level-3-Ausfallkarte auf downdetector.com, Stand heute 15.25 Uhr.
Erst vor zehn Tagen führte ein massiver DDoS-Angriff auf den DNS-Serverberteiber Dyn zu grossen Störungen im Internet, die vor allem User in den USA und Grossbritannien betrafen. Gestern gab es in den USA sowie Teilen Englands erneut einige Stunden lang grössere Störungen und Ausfälle, die stark an die vom Dyn-Angriff ausgelösten Probleme erinnerten. Die Störung dauerte etwa drei Stunden und war um etwa 17 Uhr unserer Zeit behoben.
 
Dieses Mal waren Probleme beim Backbone-Betreiber Level 3 die Ursache. Der Carrier bestätigte dies in einem Statement gegenüber US-Medien, äusserte sich aber nicht zur Ursache. Die Techniker seien noch dabei, diese zu eruieren. Dies könnte darauf hindeuten, dass dieses Mal eher kein DDoS-Angriff vorlag. Allerdings hatte auch der Angriff auf Dyn zu vielen Problemen bei Level-3-Kunden geführt.
 
Seit gestern gab es von Level 3 bisher keine weiteren Aussagen mehr zum Vorfall. Die letzte Meldung via Twitter war, dass Kunden mit einem Supportticket genauere Informationen erhalten sollen, sobald sie vorliegen.
 
Gegenwärtig (Stand 15 Uhr) hat sich die "Outage-Map" zu Level 3 auf downdetector.com übrigens wieder tiefrot verfärbt. Vor rund einer Stunde wurden auch schon Störungen angezeigt, aber noch weniger intensive. Die Zahl der von Usern auf der Site abgegebenen Störungsreports ist aber bisher deutlich geringer als gestern.
 
Update 16.36: Die Karte von downdetector.com wurde vor allem im Zusammenhang mit dem Angriff auf Dyn in vielen Medien gezeigt, auch bei uns. Ihre Zuverlässigkeit scheint aber etwas fragwürdig. Während sie gestern ein reales Problem bei Level 3 anzeigte, dürfte dies heute nicht der Fall zu sein. Mittlerweile hat uns Level-3-Sprecherin D. Nikki Wheeler versichert, dass das Netzwerk des Unternehmens heute ohne Probleme laufe. Die Karte von Downdetector beruhe nicht auf Informationen von Level 3.
 
Der IT-Journalist Glenn Fleishman erklärt in diesem Artikel recht plausibel, warum die Downdetector-Karte erstens so prominent in vielen Medien aufgegriffen wurde, und auch warum sie öfter Mal ein verzerrtes Bild der Realität zeigen kann. Downdetector verfolgt übrigens nicht nur den Status des Level-3-Netzwerks, sondern auch den von knapp 300 anderen Providern, Websites und -Services. Die Site verwendet dafür Meldungen von Usern, die dann auf der Karte dargestellt werden. (hjm)