Schweizer Geheimdienstler stahl hoch geheime Informationen

Teilweise ist öffentlich bekannt, was ein Informatiker dem Nachrichtendienst des Bundes (NDB) 2012 stahl. Manche Fakten aber sind neu, das zeigt ein 'NZZ'-Artikel, welcher die Anklageschrift detaillierter analysiert.
 
Bekannt: Ein NDB-Informatiker speicherte mehr als 500 Giga Daten auf externe HDs und wollte diese verkaufen. Seine höchste Forderung betrug eine Million Franken. Erwischt wurde er, als er bei der UBS ein Nummernkonto eröffnen wollte.
 
In ungefähr ist auch bekannt, was gestohlen wurde: Informationen über die internationale nachrichtendienstliche Zusammenarbeit und Daten zu Geheimdienst-Operationen. Kopiert habe er zudem sämtliche E-Mail-Postfächer und den Mailserver der internen und externen Kommunikation, inklusive des gesamten E-Mail-Verkehrs aller Mitarbeiter des NDB.
 
Nicht bekannt und schlimmste Befürchtungen bestätigend: Die Daten stammen aus einem eigenen, abgetrennten Sicherheitssystem namens SI-LAN und der Informatiker konnte laut Anklage "geheime und besonders schützenswerte Daten" auf zwei externe HDs kopieren.
 
Seit März steht der Informatiker vor Gericht, am 23.11. geht der Prozess weiter. Die Anklage konzentriert sich aktuell nur auf den "Informatiker". Uns ist nicht bekannt, welche Funktion dieser beim NDB hatte und welche Berechtigungen. War er ein simpler User? Oder Sys-Admin von SI-LAN? Warum hatte er diese Rechte? Warum waren die Ports nicht geschlossen? Warum gab es kein zweistufiges Berechtigungssystem, bei dem eine solche Kopier-Aktion von jemand zweitem autorisiert werden muss? In Sachen Security gelten solche Konzepte ja nicht gerade als "Rocket Science".
 
Auch unklar sind die Konsequenzen der scharfen Kritik, welche die untersuchende Geschäftsprüfungsdelegation 2012 an NDB und VBS übte. Unklar ist, ob die offensichtlichen Führungsprobleme Konsequenzen hatten und welche. Klar ist laut 'NZZ', dass man beim Geheimdienst offenbar nicht mehr einfach so mit einer HD im Sack heimgehen kann. (mag)