Steht Linux in München endgültig vor dem Aus?

Ein aktuelles Gutachten der Unternehmensberatung Accenture legt der Münchener Stadtverwaltung nahe, als Alternative zu LiMux einen "leistungsfähigen Windows-Client" einzuführen, schreibt 'Heise'. Kostenpunkt: Mindestens 18,9 Millionen Euro.
 
Dabei hätte es eine so schöne Geschichte werden können: 2004 beschliesst der Stadtrat München, die PCs der Stadtverwaltung auf das Linux-System LiMux umzurüsten. Bereits zwei Jahre später wird das Projekt fertig gestellt. Alle sind glücklich – insbesondere die Freunde der Open-Source-Lösung. Ganz so hat sich das in der Realität aber nicht zugetragen.
 
Von Anfang an stand die Migration unter einem schlechten Stern: Bereits ein Jahr nach dem Stadtratsbeschluss, muss das Projekt Verzögerungen beim Starttermin vermelden. Fünf Jahre später laufen immer noch nur 2200 der insgesamt ungefähr 14'000 Stadtcomputer unter LiMux. 2013 schliesst die Stadt die Migration offiziell ab. Im selben Jahr behauptet HP in einer umstrittenen Studie, die Betriebskosten seien mehr als dreimal höher als bei einer Microsoft-Lösung. Die Probleme der System-Lösung reissen nicht ab: Einmal führen Beschwerden von Nutzern zu ernsten Bedenken bei der Stadt. Ein andermal beschweren sich Stadträte über das OS von Linux.
 
Keine Zukunft für LiMux
Der neueste Tiefschlag ist das Gutachten von Accenture. Es ist zwar nicht öffentlich zugänglich, aber 'Heise' liegen die Kernempfehlungen vor. Dem Linux-Betriebssystem gehöre nicht die Zukunft, wenngleich der Ausstieg in mehreren Stufen erfolgen soll. Beim LiMux-Client sollen mit raschen Updates, punktuelle Verbesserungen eingeführt werden, während ein Windows-Client vollständig neu aufgebaut werden soll. Jede grössere Verwaltungseinheit solle sich vorerst selber für ein Betriebssystem entscheiden können.
 
Die veranschlagten Kosten von 18,9 Millionen Euro umfassen lediglich das Architektur- und Client-Programm, nicht aber die Kosten für Doppelbetrieb und Remigration auf Windows, kritisiert 'heise' den Bericht von Accenture. An einigen Arbeitsplätzen wären beide Systeme nötig, weil nicht alle Fachverfahren unter Linux lauffähig seien, zitiert die Onlinezeitung das Personal- und Organisationsreferat München. Es müssten Systemkenntnisse von beiden vorausgesetzt werden, dazu kämen Probleme mit der Interoperabilität. Zudem seien die Open-Source-Programme oft nicht barrierefrei und nur theoretisch sicher.
 
Auch andere Abteilungen der Stadtverwaltung sprechen sich offen für eine Migration auf Windows aus. Es sieht also nicht gut aus für LiMux.
 
Kritik an Accenture kommt vom Präsident der Free Software Foundation Europe, Matthias Kirschner. Dieser erklärte gegenüber 'TechRepublic', dass das Gutachterunternehmen mit Microsoft die Tochter Avanade betreibe. Eine solche Beziehung sei problematisch. (ts)