Hyperscaler kaufen die Hälfte aller Server

Und andere Cloud-Prognosen von Cisco.
 
Cisco hat seine neuste Prognose zur Entwicklung des durch "die Cloud" verursachten Datenverkehrs in den kommenden fünf Jahren veröffentlicht. Dass Cisco prophezeit, dass der Traffic drastisch steigen wird, dürfte wohl keinen IT-Insider mehr überraschen. Trotzdem kann man über die Zahlen staunen. Der Cloud-Traffic wird laut Cisco von 3,9 Zettabyte im vergangenen Jahr auf 14,9 Zettabyte wachsen. Ein Zettabyte entspricht einer Milliarde Terabyte.
 
Laut der Cisco-Prognose wird 2020 der Löwenanteil aller IT-Workloads, nämlich 92 Prozent, in Rechenzentren mit Cloud-Architekturen abgearbeitet werden. Dies bedeutet nicht, dass so viele Applikationen auch in öffentliche Clouds à la AWS oder Azure ausgelagert werden. Cloud-Architekturen sind auch für den Betrieb eines grossen Teils der normalen Applikationen effizienter, als traditionelle Architekturen, und dürften daher auch in In-House-Rechenzentren zur Norm werden. Der Teil der Cloud-Arbeitslasten, die auf privaten Cloud-Infrastrukturen laufen, wird aber laut Cisco auf 32 Prozent sinken, während immerhin 68 Prozent in öffentlichen Clouds laufen werden. Diese Zahl erscheint hoch gegriffen, aber man muss bedenken, dass beispielsweise auch ein Office 365 als Cloud-Workload gezählt wird.
 
Bis 2020 werden laut Cisco Workloads in Unternehmen 72 Prozent der gesamten Cloud-Arbeitslasten in Rechenzentren ausmachen, verglichen mit 79 Prozent im Jahr 2015. 29 Prozent dieser Workloads werden für Computing benötigt, 24 Prozent für Collaboration, 22 Prozent für Datenbanken, Analytics und IoT-Anwendungen. Consumer-Workloads werden gemäss der Prognose 28 Prozent des gesamten Arbeitsanfalls in Rechenzentren ausmachen. 34 Prozent davon werden für Video-Streaming benötigt, 24 Prozent für Social-Networking und 15 Prozent für Suchvorgänge.
 
Ein Workload ist gemäss der Cisco-Definition ein "integrierter Softwareverbund aus Anwendung, Middleware, Datenbank und Betriebssystem, der eine bestimmte Berechnungsaufgabe durchführt."
 
Hyperscaler werden immer mächtiger
Erstmals macht Cisco in seiner Prognose auch spezifische Aussagen zur Zukunft der sogenannten Hyperscaler. Der Netzwerkriese zählt weltweit 24 Unternehmen zu dieser Kategorie. Im Jahr 2020, glaubt Cisco, werden nicht weniger als 47 Prozent, also knapp die Hälfte aller weltweit installierten Server, in einem der bis dahin knapp 500 Rechenzentren dieser Internetgiganten laufen.
 
Cisco erwähnt das zwar nicht, aber für traditionelle Markenanbieter, zu denen auch Cisco zählt, ist dies eine Bedrohung. Hyperscaler wie Google, AWS oder Facebook kaufen ihre Hardware oft nicht bei traditionellen Anbietern. Manche assemblieren selbst oder lassen die Geräte nach eigenen Spezifikationen von taiwanischen oder chinesischen Fabrikanten anfertigen. Eine weitere, beliebter werdende Variante ist es, dafür Spezifikationen zu verwenden, die die Hyperscaler im Rahmen des Open Compute Projects (OCP) gemeinsam erarbeitet haben. Dies gilt nicht nur für Server, sondern zunehmen auch für Switches und andere Komponenten.
 
Eine Liste der 24 Hyperscaler fanden wir in den Unterlagen von Cisco nicht. Gemäss der Definition gehören dazu Unternehmen, die einen Jahresumsatz von mindestens einer Milliarde Dollar im Bereich Iaas/PaaS, zwei Milliarden im Bereich SaaS, vier Milliarden im Bereich Internetsuche oder Social Networking oder acht Milliarden im Bereich E-Commerce oder Zahlungsabwicklung erreichen. (hjm)