Bewegung im Markt für Banken-IT

Kernapplikationen gewichtet nach Anzahl Mitarbeitenden. (Quelle: Active Sourcing, 2016)
Während die Umsätze bei Core Banking und IT-Outsourcing rückläufig sind, wächst das Geschäft mit Business Process Outsourcing. Swisscom ist laut Active Sourcing der grosse Verlierer, während Avaloq, Temenos und Inventx zulegen können.
 
Zum zehnten mal bereits publiziert das Beratungsunternehmen Active Sourcing das "Handout Swiss Banking". Während die Umsätze bei Core Banking und IT-Outsourcing (ITO) rückläufig sind, wächst das Geschäft mit Business Process Outsourcing (BPO), so das Fazit des Schweizer Beratungshaus.
 
Die Konsolidierung im Bankensektor habe sich fortgesetzt: Im Vergleich zum Vorjahr ist die Zahl der Institute mit Bankenlizenz von 275 auf 266 und die Zahl der Beschäftigten von über 136'000 auf knapp 124'000 gesunken. Die Auswertung basiert gemäss Mitteilung auf Daten per 31. Oktober 2016. Als Folge hätten Banken mit ihren Outsourcing-Partner neue Preise verhandelt, ihre Partner gewechselt oder erstmals überhaupt eine Auslagerung vollzogen. Damit habe sich der Konkurrenzkampf auf Anbieterseite verschärft, heisst es in einer Medienmitteilung. Die grossen Gewinner sind Avaloq respektive Avaloq Sourcing (ehemals B-Source), Temenos und Inventx. Grösster Verlierer, so Active Sourcing, ist Swisscom.
 
Avaloq bleibt Marktführer, Temenos kann zulegen
Anfang Jahr wurde bekannt, dass die Schweizer Privatbank EFG International ihre Tessiner Konkurrentin BSI übernimmt. Mit einer gemeinsamen IT-Plattform sollen Kosten einsparen will. EFG benutzte die Software von Temenos, BSI diejenige von Avaloq. Der Entscheid fiel schliesslich auf das Kernbankensystem von Temenos. Ausserdem gewann Temenos die Privatbank Julius Bär, auch wenn die Einführung von T24 nicht in der Schweiz, sondern in Singapur begonnen wird.
 
Temenos hatte vergangenes Jahr, gewichtet nach der Anzahl Mitarbeiter, einen Marktanteil von gerade einmal 3,6 Prozent in der Schweiz. Nun sind es neun Prozent. Damit überholt der Westschweizer Softwarehersteller TCS Bancs und Olympic und belegt neu den vierten Platz. Zehn Prozent des Marktes werden laut Active Sourcing durch Eigenentwicklungen belegt.
 
Avaloq konnte den Verlust von BSI durch fünf Neuabschlüsse kompensieren und bleibt klarer Marktführer im Bereich Core Banking. Stark ins Gewicht gefallen ist laut Mitteilung die volle Anrechnung des Abschlusses mit Raiffeisen. Die Arizon-Entscheidung wurde von Active Sourcing letztes Jahr nur zu 50 Prozent berücksichtigt. Insgesamt
IT-Outsourcing gewichtet nach Anzahl Mitarbeitenden. (Quelle: Active Sourcing, 2016)
vergrössert Avaloq den Marktanteil von 40 Prozent auf 48,5 Prozent.
 
Im gleichen Zeitraum verlor Finnova zwar keine Kunden, schrumpfte aber beim Marktanteil von gut 20 Prozent auf 14 Prozent. Gerechnet aber nach belieferten Banken bleibt Finnova der Leader: Der Softwarehersteller bedient gemäss Mitteilung über 40 Prozent der 2010 von Active Sourcing erfassten Institute.
 
IT-Outsourcing-Markt schrumpft
Nicht nur im Markt für Kernbankensysteme sondern auch im IT-Outsourcing gab es im Jahr 2016 Entscheidungen, die sich auf die Marktanteile ausgewirkt hätten, so Active Sourcing weiter. So wurde bekannt, dass die 15 Clientis-Banken und weitere 10 RBA-Banken den Finnova-Betrieb für die nächsten fünf Jahre von Swisscom an Inventx übergeben werden.
 
Daneben habe die Konsolidierung bei bestehenden Swisscom-Kunden zu Einbussen beim ITO-Marktanteil geführt. Trotz eines Rückgangs des Marktanteils von über 45 Prozent auf unter 40 Prozent bleibt Swisscom jedoch Marktführer in diesem Bereich. Im ITO-Markt liegt Avaloq Sourcing mit 16,5 Prozent auf Rang zwei und knapp dahinter folgt Inventx vor IBM und HPE.
 
Wachstum im BPO-Marktvolumen
Der BPO-Markt sei insgesamt um 26 Prozent gewachsen. Da Swisscom im wachsenden BPO-Markt keine Neukunden gewonnen hat, reduziert sich der Marktanteil von über 55 auf unter 45 Prozent. Auch hier bleib der "Blaue Riese" dennoch Marktführer.
 
Mit der Axion Swiss Bank, BBVA und der Banque Privée Edmond de Rothschild hat Avaloq Sourcing mehrere Neukunden gewonnen. Der Verlust von BSI konnte damit aber laut Active Sourcing nur zum Teil kompensiert werden und somit sank der Marktanteil von 15,5 auf 12,4 Prozent. Arizon gewann mit der Notenstein La Roche Privatbank einen ersten Neukunden für die Wertschriftenabwicklung. Deshalb wird Arizon in der Auswertung neu mit 16,8 Prozent als vollwertiger BPO-Anbieter gezählt. (kjo)