Bundesrat philosophiert über autonome Autos

"Automatisierte Fahrzeuge werden den Strassenverkehr noch sicherer machen, den Verkehr verflüssigen und eine bessere Ausnützung der verfügbaren Kapazitäten ermöglichen." Diese hoffnungsfrohe Prognose stammt nicht aus dem Werbekatalog eines Produzenten von automatisierten Autos, sondern aus einem Bericht des Bundesrates (PDF). Dieser hat am Mittwoch auf ein Postulat der Nationalrätin Susanne Leutenegger Oberholzer (SP) reagiert.
 
Der Bundesrat glaubt, dass in den nächsten 15 bis 25 Jahren ein beträchtlicher Anteil der zugelassenen Fahrzeuge automatisiert auf den Strassen verkehrt. Der öffentliche Verkehr könne damit insbesondere auf kurzen und mittleren Distanzen durch Sammeltaxis, Car-Sharing-Modelle und andere fahrplan- und linienunabhängige Angebote ergänzt und teilweise ersetzt werden. Die Grenze zwischen öffentlichem und individuellem Verkehr würde dadurch zunehmend unscharf. Die neuen Angebote könnten Gruppen wie Betagten, Menschen mit Behinderung und Kindern einen einfacheren Zugang zur Mobilität ermöglichen.
 
Doch die Regierung sieht auch einige Risiken. Sollten die neuen Möglichkeiten vor allem für zusätzlichen Komfort genutzt, könnte die Auslastung der Fahrzeuge auch sinken. Die möglichen Folgen: Erhöhter Flächenbedarf, zusätzlicher Energieverbrauch und eine stärkere Luftbelastung. Ausserdem hätten die neuen Technologien durch die Automatisierung der Mobilität erhebliche Auswirkungen auf die Arbeitswelt und den Absatz der Automobilindustrie. Unklar seien weiter die Gewährleistung der Cyber-Security und des Datenschutzes sowie grundsätzliche rechtlicher Aspekte.
 
Entscheidend für die Auswirkungen der neuen Technologien sei der Umgang von Gesellschaft, Politik und Wirtschaft. Der Bund begleite die neuen Möglichkeiten und sei bereits auf verschiedenen Ebenen aktiv: Vor zwei Jahren hat das Departement für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation (UVEK) zum ersten Mal einen Pilotversuch mit selbstfahrenden Autos bewilligt. Es blieb nicht der einzige. So fahren heute etwa autonome Busse durch Sitten. Als weitere Anstrengungen des Bundes nennt der Bericht den Aktionsplan "Digitale Schweiz" und das "Leitbild Mobilität". Darauf gestützt würden die aktuellen Mobilitätskonzepte und Infrastrukturprogramme sowie die raumplanerischen Konzepte des Bundes überprüft und bei Bedarf angepasst, schreibt das Bundesamt für Strassen (Astra) in einer Mitteilung. Das Amt habe zudem ein entsprechendes Forschungsprojekt lanciert. (ts)