Schaffhausen führt (endlich) neue Finanzsoftware ein

Sechs Jahre nach dem Zuschlag an IT&T (nun Axians) führen Kanton und Stadt Schaffhausen die neue Finanzsoftware ein. Die Ausschreibung war umstritten.
 
Der Kanton und die Stadt Schaffhausen ersetzen die Lösung für das Finanz- und Rechnungswesen. Zum Zug kommt die NAV-basierte Lösung Newsystem Public von Axians (ehemals IT&T). Gleichzeitig wird auch das harmonisierte Rechnungsmodell HRM2 eingeführt, wie Axians vergangene Woche mitteilte. Der Betrieb der Lösung erfolgt durch das Informatikunternehmen der Stadt und Kanton Schaffhausen (KSD).
 
Geplant war, die neue Lösung für das Finanz- und Rechnungswesen schon früher einzuführen und das SAP-System zu ersetzen. Vor rund zwei Jahren hatte ein Budgetreferendum des Kantonsparlaments Schaffhausen jedoch das Projekt auf Eis gelegt.
 
Die Umsetzung soll nun rasch erfolgen. Ab Frühjahr 2017 soll das Kantonsbudget und der Finanzplan für 2018 im neuen System erfasst werden, wie KSD-Leiter Gerrit Goudsmit zu inside-it.ch sagt. Ab 1. Januar 2018 soll die Lösung für das Finanz- und Rechnungswesen im Kanton Schaffhausen produktiv sein. Ein Jahr später folgt die Stadt Schaffhausen.
 
Umstrittene Ausschreibung
Die Entscheidung für Axians folgt auf eine Ausschreibung aus dem Jahr 2010, wie Goudsmit zu inside-it.ch sagt. Axians, respektive IT&T, hat den Zuschlag des Vereins Schweizerische Städte- und Gemeinde-Informatik (SSGI) erhalten. Dem Verein SSGI gehören die Kantone Luzern, Aargau, Schaffhausen, Obwalden/Nidwalden, Bern und Appenzell-Ausserrhoden an. Der Gewinner des Zuschlags erhielt damit bis zu 290 Gemeinden als potenzielle Kunden für die Software.
 
Die Ausschreibung war kontrovers: Wie inside-it.ch berichtete, nahmen Ruf Informatik und NEST / Abacus beziehungsweise deren Partner nicht an der Ausschreibung teil. Dabei ging es vor allem um das von der Ausschreibergemeinschaft angestrebte Miteigentum an der Software. Wie Goudsmit zu inside-it.ch sagt, hat sich auch der aktuelle Anbieter SAP nicht in der Ausschreibung beworben. (kjo)

Unser Kommentar:

Macht es Sinn, die Lösung eines Anbieters einzuführen, den man vor über fünf Jahren evaluiert hat? Darf ein Kanton die Ausschreibung überhaupt an einen Verein auslagern? Hätte der Kanton respektive die Stadt Schaffhausen das Projekt erneut und selbst ausschreiben müssen?
 
"Der Vorteil einer gemeinsamen Ausschreibung ist, dass keine der beteiligten Gemeinden selber eine teure und aufwendige eigene öffentliche Ausschreibung mehr durchführen muss, da sie bei Übernahme des Zuschlagsentscheides durch das Ausschreibungsverfahren submissionsrechtlich abgedeckt ist", so eine Publikation von SSGI von 2009 im Vorfeld der im Artikel erwähnten Ausschreibung.
 
Die Ausschreibung im Jahr 2010 stand unter Kritik.
 
Im Zusammenhang mit HRM2 taucht im Amtsblatt des Kantons Schaffhausen (Mai 2015) ein Zuschlag auf: "Freihändiges Vergabeverfahren für neue Software des Kantons Schaffhausen zur Einführung von HRM2". Begründet wird die freihändige Vergabe mit "technischen Besonderheiten". Ob und wie diese Vergabe mit der im Artikel erwähnten Einführung von Newsystem Public zusammenhängt, war vor den Feiertagen nicht mehr in Erfahrung zu bringen. (kjo)