CES: Fahren wird bei Autos zur Nebensache

Ein Konzeptauto von Toyota samt neuem digitalen Assistenten.
Smarte Assistenten, schwebende Armaturenbretter und ein Auto-Projekt der UBS: was heute Schlagzeilen macht.
 
Wenn Autohersteller über Künstliche Intelligenz dozieren und Tech-Firmen über Schnellfall, dann befindet man sich an der Consumer-Electronics-Messe CES. Das zeigen einige Highlights aus Las Vegas.
 
Mercedes gab eine Lehrstunde in Möglichkeiten und Grenzen von Künstlicher Intelligenz im Auto. Aktuell können die Mercedes-Systeme laut 'Heise' zwischen Menschen, Autos, Velos und Hunden unterscheiden und sie erkennen Bäume, Häuser und Pfosten und dies bei Nacht in "passabler Qualität". Nur an den Chips im Auto hapere es noch. Künftig aber sollen Autos sich ihren Fahrern anpassen können, sagte ein Mercedes-Vertreter, während ein Kollege vor übertriebenen Erwartungen warnte.
 
BMW will holographische Technologie in seine Autos bringen, eine Art frei schwebenden virtuellen Bildschirm neben dem Lenkrad.
 
UBS will Autos zum Portemonnaie machen
Auch Schweizer bauen sich in Autos ein, darunter, auf den ersten Blick verblüffenderweise, die UBS. Auch die Grossbank präsentiert an der CES mit dem deutschen Automobilzulieferer ZF und mit Innogy, einer Tochter des deutschen Energieversorgers RWE, ein Projekt.
 
Das Projekt nennt sich "Car eWallet" und ist ein auf Blockchain-Technologie basierendes digitales Portemonnaie. Es soll in einer ersten Phase vor allem für Besitzer von Elektroautos interessant sein, die vor dem Problem unterschiedlicher Karten- und Abrechnungssysteme von Ladestationen stehen.
 
Das Bezahlsystem biete mehrere Zahl- und Abrechnungsfunktionen und ist auch geeignet, um Autobahn- oder Parkgebühren zu bezahlen. Car eWallet erlaubt es dem Auto auch, automatisch bis zu einem Limit selbständig Kosten zu berappen. Damit das Portemonnaie auch gefüllt ist, benötigt es einen PC oder eine spezielle App.
 
Künftig soll Car eWallet auch Zahlungen einkassieren können und die Partner planen, Zugänge zum Fahrzeug für Dritte freizuschalten. Für 2017 planen die Partner einen Test im Feld.
 
Und warum die UBS dabei ist? "Mit dem Internet der Dinge werden wir in Zukunft mehr und mehr Geräte für das autonome Bezahlen sehen. Für die UBS ist es wichtig in diesem Bereich zu experimentieren und zu lernen", so ein Statement in der 'International Business Times'.
 
Smarte Co-Piloten halten Einzug
Ob sie nun Siri, Alexa oder Yui heissen, ohne digitale Assistenten, wird man künftig
Das Konzept von UBS und Partnern
kaum mehr die Garage verlassen.
 
Der US-amerikanische Auto-Dienstleister Inrix will Hörbücher und News ins vernetzte Auto-Cockpit bringen und integriert deshalb Amazons KI-Tool Alexa in OpenCar, seine offene Plattform für Apps. Zudem soll man sein Auto via Amazon Echo von der guten Stube aus kontaktieren können.
 
Auch Ford will Alexa nutzen, während Toyata ein Autokonzept und Yui vorstellte, seinen digitalen Assistenten. Die futurististische Karosserie des dazugehörigen Autos Concept-I sieht aus wie sie immer auf Automessen geboten werden, interessanter ist Yui. Dieser Marktneuling ist sprachgesteuert und antwortet sowohl verbal wie auf Displays. Laut 'Techcrunch' könne Yui tatsächlich von seinem Fahrer lernen und zudem Fussgängern mitteilen, ob das Auto ein menschliches oder künstliches Hirn am Steuer habe.
 
Kluge Chips rufen nach bequemen Sitzen
Der japanische Hersteller von Halbleitern für Autos, Renesas Electronics, präsentiert einen Prototypen seines selbstfahrenden Autos. Auf einer Teststrecke voller Hindernisse will man an der CES demonstrieren, was die eigenen Halbleiter alles können, um so Intel und Qualcomm in Sachen Chips für Autos Paroli bieten zu können.
 
Sowohl die 'MIT Technology Review' als auch 'The Verge' beurteilen eine Innovation speziell positiv; diese stammt von Nvidia. Das Unternehmen präsentierte einen autonomen KI-Co-Piloten, der den Fahrer in jeder Situation unterstützen könne. Die Idee des US-Produzenten von Grafikprozessoren und Chips: Kameras und Sensoren registrieren, was ausserhalb des Autos passiert, ob ein Velofahrer sich vordrängelt und gleichzeitig bemerken Kameras im Innern, ob der Autofahrer dies auch bemerkt hat. Zudem gab Nvidia bekannt, man wolle mit Audi ein lernendes selbstfahrendes Auto mit künstlicher Intelligenz entwickeln, das ab 2020 die Strassen erobern soll.
 
Und wenn das Auto schon selbst denkt und lenkt, dann will man es auch so bequem haben wie in der Stube, sagte sich wohl Bose. In Vegas will man sich mit superbequemen Sitzen in die Software- und Sensorroboter platzieren, die man bislang so profan "Fahrzeug" nennt. (Marcel Gamma)