WEF: Technologie wird zum globalen Risikofaktor

Die Digitalisierung sei eine Gefahr wie Terrorismus oder Klimaveränderung, sagt ein WEF-Report.
 
Wenn morgen das WEF in Davos losgeht, dann wird Technologie ein Thema sein. Und dies mehr als Risiko, weniger als Chance. "2016 hat sich unsere Sicht auf globale Risiken grundlegend geändert", schreibt WEF-Gründer Klaus Schwab im Vorwort des "Global Risks Report 2017".
 
Dieser Sichtwechsel zeigt sich darin, dass Technologie nun als eines von global fünf Top-Risiken gilt, zusammen mit Naturkatastrophen, Flüchtlingswellen und Terrorattacken. Entsprechend wird Technologie Risikobericht mit einem Haupt- und drei weiteren Teilkapiteln "geehrt". Letztere thematisieren als Risikofaktoren "Emerging Technologies" die man gemeinhin mit Informatik verbindet: Künstliche Intelligenz und - etwas weniger hoch bewertet - IoT und Industrie 4.0.
 
Der WEF-Bericht basiert auf Aussagen von rund 700 Experten, welche "Managing Disruption", beziehungsweise den Mangel an Management befürchten.
 
Gemeint ist der Zusammenhang zwischen Digitalisierung und dem Arbeitsmarkt. Historisch gesehen habe Innovation traditionelle Arbeitsplätze zwar vernichtet, aber immer auch neue Berufsbilder geschaffen. Doch diesmal würde der Stellenaufbau langsamer ablaufen. Die daraus entstehenden Konflikte würden sich heute schon zeigen: "Es ist kein Zufall, dass die Herausforderungen für den sozialen Zusammenhalt und die Legitimität der politischen Entscheidungsträger mit einem starken, disruptiven technologischen Wandel zusammenfallen", warnen die Autoren. Zudem könne Technologie die wichtigsten globalen Risiken - die soziale und politische Volatilität - nicht nur auslösen, sondern auch verstärken.
 
2017 grosser Datendiebstahl sehr wahrscheinlich
Massiver Datendiebstahl oder Datenbetrug in grossem Stile werden als Risiken eingestuft, welche 2017 sehr wahrscheinlich eintreffen werden. Deren Schadenspotential allerdings rangiert nicht unter den Top-5, dort finden sich die "Risikoklassiker" wie Klimaveränderung oder Wasser-Krisen.
 
Weniger wahrscheinlich sei hingegen der Zusammenbruch von kritischer Infrastruktur, dies galt 2014 noch als Top-Risiko. Ein Zusammenbruch dürfte auch weniger schlimme Auswirkungen zeigen. Permanent präsent in den jährlichen Bericht sind Cyber-Attacken. Dass IT-Risiken so weit oben rangieren, hat auch damit zu tun, dass diese mit Massenvernichtungs-Waffen und Terrorattacken verbunden sein können.
 
Und die Risikoexperten stellen auch Fragen zur Verantwortlichkeit von technologischen Fortschritten. Oder, in andern Worten: Wer trägt die Verantwortung für Risiken von autonomen Fahrzeugen?
 
Deregulierung als Chance und Risiko
Bundesrat Schneider-Ammann wählt den Weg der Deregulierung, wenn es um die Digitalisierung der Schweiz geht. Der bundesrätliche Bericht argumentiert mit den Chancen, geht aber nicht sehr vertieft auf Konkretes ein. Der WEF-Bericht äussert sich vorsichtig kritischer: "Wie man neue Technologien reguliert ist eine komplexe Frage. Zu strenge Beschränkungen können es verzögern oder verhindern, dass man potenzielle Vorteile von technologischen Entwicklungen nutzt."
 
Aber ein Risiko berge auch regulatorische Unsicherheit: Bei unklaren Verhältnissen würden Investoren vor Innovationen zurückschrecken, weil sie Angst haben, dass diese später verboten oder abgelehnt werden, wenn fehlende Governance zu unverantwortlicher Nutzung einer Technologie und einem Vertrauensverlust in der Öffentlichkeit führt.
 
Der Risikobericht hält aber trotzdem fest, für die befragten Experten überwiege der mit Technologie verbundene Optimismus die genannten Risiken. (mag)