Exklusiv! Dynamics-365-Chef Holland im Gespräch

Gestern in Zürich: Frank Holland stellt Dynamics 365 vor.
Gestern stellte Microsoft die neue Online-Business-Software Dynamics 365 in Zürich vor. Frank Holland stellte sich den Fragen von inside-it.ch.
 
Microsofts Online-Business-Software Dynamics 365 kommt zwar spät, könnte den Markt aber trotzdem aufmischen. Denn die Mischung aus Dynamics CRM online und einer Cloud-Version von AX, ist tief in Office 365 integriert. User sind deshalb bereits mit dem Interface vertraut. Gestern hat Microsoft die neue Cloud-Lösung in Zürich vorgestellt und dafür Frank Holland eingeflogen. Der Executive VP ist für das Dyanmics-Business weltweit verantwortlich. Für unsere Leser nahm er sich Zeit.
 
Konkurrenten haben schon vor einigen Jahren Online-Business-Software auf den Markt gebracht. Ich spreche von SAP, aber auch von "Local Heroes" und von Startups. Ist Microsoft zu spät?
 
Frank Holland: Es kommt auf ihre Definition von "spät" und "früh" an. Wir haben Great Plains, Navision und Damgaard in den frühen 2000er Jahren übernommen. Das waren sehr gute ERP-Lösungen in ihrer Zeit.
 
Wir haben diese Lösungen verbessert und konsolidiert. Wir haben sogar einmal versucht, den Code der übernommenen Lösungen zu vereinheitlichen. Jetzt mit Dynamics 365 sprechen wir den Markt auf eine völlig neue Art an.
 
Wir ermöglichen unseren Kunden hybride Szenarien. Das machen ganz viele andere ERP-Hersteller nicht. Sie bieten dem Kunden an, ihn in die Zukunft mitzunehmen. Aber nur zu ihren eigenen Konditionen. Wir machen das anders. Bei uns kann der Kunde die Bedingungen bestimmen. Unsere Kunden können bestimmte Teile von Dynamics 365 selbst betreiben, andere aus unserer Cloud beziehen.
 
Wenn ein Kunde sein Kassensystem nicht aus der Cloud beziehen will, ist das ok. Oder wenn er seine Maschinen für die Produktion nicht aus der Cloud betreiben will, machen wir das möglich.
 
Das haben wir so nicht vorgesehen. Wir wollten alles aus der Cloud bringen. Aber unsere Kunden haben uns überzeugt. Um es genau zu sagen: Sie haben uns gezwungen, unsere Pläne zu ändern.
 
Wird es auch eine reine On-Premise-Version von Dynamics 365 geben?
 
Frank Holland: Es gibt bestimmte Module von Dynamics 365 als lokal installierbare Version: Field Services, Customer Services, Projekt Services, Verkauf. Andere Module gibt es nur aus der Cloud. Finanzen, HR, MRP (Material Requirment Planning). Braucht man die wirklich vor Ort?
 
Es wird wohl nie eine reine, lokal installierbare Version von Dynamics 365 geben. Wir wollen unsere Forschung und Entwicklung dort investieren, wo wir am meisten Bedarf sehen. Und das ist Online.
 
Schweizer Firmen haben aber Angst, Finanzdaten in einer Cloud zu lagern.
 
Frank Holland: Heute ist Hans-Peter Keller von Helsana aufgetreten. Helsana hat Daten in der Cloud. Helsana konnte dies mit den Gesetzen in Einklang bringen. Man kann heute Finanzdaten in einer Cloud bearbeiten, das zeigt das Beispiel Helsana.
 
Wer Dynamics 365 beschafft, verlässt sich auf die Stabilität des Internets. Wir haben den Eindruck, diese habe nachgelassen. Es gab riesige DDoS-Angriffe. Aus anderen Gründen fielen wieder Rechenzentren, auch das Dubliner RZ von Microsoft, aus. Und es gibt Berichte von erfolgreichen Datendieben, die gleich Millionen von Datensätzen erbeuteten. Gefährdet das Thema Sicherheit das Cloud-Business – auch Dynamics 365?
 
Frank Holland: Sicherheit und Stabilität sind immer ein Thema. Wer die Entwicklung, zum Beispiel den Diebstahl bei Yahoo beobachtet, muss beunruhigt sein. Wir investieren sehr viel Arbeit in Anti-Malware-Lösungen und trotzdem weiss niemand, welche Technologien noch auftauchen.
 
Zum Glück wurden wir bisher noch nie von einem DDoS-Angriff in die Knie gezwungen und es gibt keinen Fall bei uns wie bei Yahoo. Wir messen die Qualität der Verbindung zwischen unseren Rechenzentren und den Kunden und sehen jeden Monat Verbesserungen. Aber es gibt immer noch Ausfälle in unseren Rechenzentren. Meistens sind sie auf Software-Fehler und oder Fehler bei Updates zurückzuführen. Aber auch schon eine halbe Stunde Ausfall – und wir hatten in Dublin einen Ausfall von drei Stunden – kann enorm störend sein. Denn die Geschäftsprozesse unsere Kunden sind gestört.
 
Wir überlegen uns, alle Daten zur Verfügbarkeit, die wir haben, auch unseren Kunden zur Verfügung zu stellen. Transparenz ist enorm wichtig. Kein Konkurrent tut dies. (Gespräch: Christoph Hugenschmidt)