"Flash wird frühestens in sechs Jahren angegriffen"

Neulich in Zürich: Scott Dietzen, CEO von Pure Storage (links) und Markus Malizia, Channel Manager Schweiz, Pure Storage.
Inside-it.ch sprach mit dem CEO von Pure Storage Scott Dietzen über Gegenwart und Zukunft seines Unternehmens und des Flash-Storage-Markts.
 
Pure Storage gehört zu den grossen Profiteuren des Einzugs von Flash-Storage in die RZs. 2009 wurde der Flashspezialist als Startup in Kalifornien gegründet. 2010, als Scott Dietzen als neuer CEO die operative Führung übernahm, zählte das Unternehmen zwanzig Mitarbeitende. Mittlerweile sind es, so Dietzen, weltweit über 1700.

Von den Startups, die der Flash-Boom hervorbrachte, ist Pure Storage nach vielen Übernahmen sowie einigen Crashes - zuletzt dem von Violin Memory, der mit Abstand grösste, der noch eigenständig operiert. Inside-it.ch hatte gestern Mittwoch Gelegenheit zu einem Gespräch mit Scott Dietzen. Pure Storage sei mittlerweile nach Umsatz gesehen die Nummer sieben im globalen Storage-Markt, so Dietzen stolz. "Pure Storage ist das eine Startup, das es geschafft hat, zu skalieren."
 
Ausserdem wachse der Umsatz von Pure weiter, während der Umsatz der grösseren, alteingesessenen Storage-Player durchs Band schrumpfe.
 
Hier muss man allerdings anmerken, dass Pure Storage bezüglich Wachstum davon profitiert, dass der Markt für reine Flash-Arrays, wie sie Pure anbietet, allgemein weiterhin stark wächst. Im immer noch volatilen Markt für All-Flash-Arrays für sich gesehen wachsen auch die Umsätze der traditionellen Anbieter schnell. Ihr Problem ist der noch schneller schrumpfende Umsatz mit Harddisk-basierten Systemen.
 
Nicht im gleichen Markt wie Nutanix und Co.
Pure Storage wird oft auch in einer Reihe mit Firmen wie Nutanix oder Simplivity (gerade von HPE übernommen) genannt. Diese allerdings, so grenzt sich Dietzen ab, stellen hyperkonvergente IT-Infrastruktur her, die Server-, Storage- und Netzwerk-Funktionen im gleichen Gerät vereinen. Pure konzentriere sich dagegen auf den reinen Storage-Bereich. Ausserdem verfolge Nutanix, ebenfalls 2009 gegründet und in eine ähnliche Grössenordnung wie Pure gewachsen, eine andere Strategie und nehme andere Kunden ins Visier. Nutanix konkurriere mit seiner Hardware/Software-Plattform heutzutage vor allem VMware und adressiere im Schnitt etwas kleinere Unternehmen als Pure. Nutanix bewege sich damit in einem anderen Markt. Die grossen RZs, die Pure Storage im Visier hat, würden in absehbarer Zukunft nicht auf hyperkonvergente Infrastrukturen wechseln.
 
Schweizer Kunden und Evergreen
Das umsatzstärkste Kundensegment seines Unternehmens sind laut Dietzen Internet- und Cloud-Player wie LinkedIn, Workday oder ServiceNow. Dahinter folgen Unternehmen aus dem Finanzbereich und dem Pharma/Biotechnologiebereich. Aus der Schweiz nennt Pure Storage die Referenzkunden Garaventa, Schweizerisches Rotes Kreuz, Gebäudeversicherung Bern, Model, Bucherer, Schweizer Zucker, das Amt für Informatik Appenzell, Specogna, MMD, Levantis und Visana.
 
Über 60 Schweizer Kunden, also die grosse Mehrheit, beziehen ihre Storage-Arrays mittlerweile auf Basis des Mitte 2015 lancierten "Evergreen"-Bezugsmodells, das im Prinzip einem Softwareabonnement ähnelt. Evergreen-Storage-Kunden erhalten während der Vertragslaufzeit nicht nur Support und Wartung, Pure bringt auch die Hardware ohne weitere Kosten in regelmässigen Abständen auf den neusten Stand.
 
Flash in den kommenden Jahren
Gegenwärtig werden in grossem Tempo Harddisk-basierte Speichersysteme durch All-Flash-Arrays ersetzt. Flash ist, zumindest gefühlt, zum Mainstream geworden. Noch gebe es aber ganz viel Raum für weiteres Wachstum, erklärte uns Dietzen. Bisher seien vor allem die Daten für Perfomance-hungrige Anwendungen auf Flash-Arrays migriert worden, also Daten, für die man bisher auch möglichst schnelle Disks einsetzte.
 
Die "neue Grenze" für Flash seien nun Big-Data-Anwendungen, also die grosse Menge an Daten, auf die etwas weniger oft zugegriffen wird und die bisher auf langsameren und kostengünstigeren Disks lagerten. Bei Pure Storage glaube man, dass in naher Zukunft auch diese Daten aufgrund der Vorteile beim Platz- und Energiebedarf auf Flash-Speicher verlagert werden. A Propos Platzbedarf: Dietzen glaubt, dass das Verhältnis von Speicherkapazität zum Platzbedarf von Flashsystemen in den kommenden zwei Jahren nochmal um den Faktor zehn bis zwanzig erhöhen wird.
 
Und danach?
Viele Unternehmen forschen aber bereits an noch einmal viel schnelleren und platzsparenderen Speichertechnologien, die ihrerseits Flash dereinst als Massenspeichertechnologie verdrängen sollen. Es zeichnet sich ab, dass der Flash-Nachfolger Ähnlichkeiten mit heutigem RAM-Speicher aufweisen, aber nicht flüchtig sein wird, um als Dauerspeicher dienen zu können. Beispiele sind Intels und Microns "Xpoint 3D" oder HPEs "Memristor"-Speicher.
 
Auch Scott Dietzen glaubt, dass Flash in absehbarer Zukunft einer neuen Massenspeicherform weichen wird. Allerdings wird es in seinen Augen noch eine ganze Weile dauern, bis es so weit ist: "Ich glaube, dass Flash frühestens in sechs Jahren angegriffen wird."
 
Bei Pure Storage fühlt man sich zudem gut gerüstet, auch im Nach-Flash-Zeitalter weiter florieren und die neuen Technologien in die eigenen Geräte integrieren zu können. Ein Grund dafür sei, so Dietzen, dass Pure Storage zwar Hardware verkauft, aber sich von Anfang an eher auf die Software dafür sowie den neuen Schnittstellen-Standard NVMe (Nonvolatile Memory Express) konzentriert habe. Dieser erlaube unter anderem massiv parallelen Zugriff auf Speicher. Genau dies wird eine der Voraussetzungen sein, um die Leistung der kommenden Speichergeneration ausnützen zu können. (Hans Jörg Maron)