Im Reisswolf: Druckertreiber

Kolumnist Peter Wolf versucht, ein Dokument in Farbe zu drucken.
 
Ich würde zu gerne wissen, wer ernsthaft glaubt, Druckkosten sparen zu können, indem man den Angestellten ihren Druckertreiber dahingehend verbiegt, dass standardmässig jeder Druckauftrag als Datei in irgendeinem Folder landet.
 
Wer nicht gewohnheitsmässig jeden Tag wie ein Weltmeister druckt, drückt also erstmal aus Gewohnheit Ctrl-P und OK und latscht vergebens zum Drucker, weil er alles in eine Datei "gedruckt" hat. Ziel erreicht. Druckkosten gespart. Arbeitszeit vernichtet.
 
Trotzdem will man ja was auf Papier drucken, sonst hätte man es ja als PDF gespeichert. Farbausdrucke kosten mehr als die Schwarzweiss-Version, deshalb ist ihre Aktivierung ähnlich gut gesichert wie ein Atomraketensilo: Es gibt tatsächlich Druckertreiber, bei denen man an zwei unterschiedlichen, gut versteckten Stellen ankreuzen muss, dass man tatsächlich eine Farbvorlage auch in Farbe ausgegeben haben will.
 
Als ungeübter Drucker (und somit häufiger Kostensparer) hat man sicher eins der beiden Kreuze vergessen und dackelt erneut hoffnungsfroh zum Follow-me-Printer, der einem im Widerspruch zu seinem Namen überhaupt nicht irgendwohin folgt, sondern der aufgesucht werden muss. Für die Katz, wie sich alsogleich herausstellt: Der Drucker spuckt zwar endlich Papier aus, aber lediglich in Grautönen. Also ab in die Tonne. Arbeitszeit vernichtet. Material vernichtet. Gute Laune ebenso.
 
Im dritten Anlauf schliesslich schafft man es in der Regel doch noch, und um ganz sicher zu gehen, druckt man es gleich doppelt aus, weil ja immer noch die Gefahr besteht, dass die Bindemaschine ihre Medikamente wieder nicht geschluckt hat und sich einmal mehr für den Aktenschredder hält. (Peter Wolf)
 
Peter Wolf (51) beschäftigt sich seit seiner Kindheit mit Technik. Zuerst eher mechanisch durch Aufschrauben und Nachschauen, später vermehrt auch mit elektronischen Produkten und mit Services. Seit 1985 war er immer wieder mal bei Ringier beschäftigt, zuletzt als Trend Scout und Social Media Evangelist. Heute arbeitet er als Research Analyst bei e-foresight im Swisscom-Geschäftsbereich Banking und als Kolumnist und App-Tester für diverse Publikationen - unter anderem für inside-it.ch.