Oracle erhöht Lizenzgebühren für AWS- und Azure-Nutzer

Lizenzpreise für Oracle-DBs in Public Clouds verdoppeln sich.
 
Oracle berechnet die Lizenzgebühren für seine Kunden nach eingesetzten Prozessorkernen. Um die tatsächlichen Kosten zu berechnen, hat der amerikanische Hersteller eine Tabelle erstellt, in der er die CPUs mit einem Faktor versieht. Oracle vergibt etwa an Intel-Kerne den Wert 0,5. Das heisst, wer einen entsprechenden Prozessor mit zwei Kernen nutzt, muss nur eine Lizenz für eine CPU bezahlen. Dies galt bislang auch für die VMs in autorisierten Clouds.
 
Nun hat Oracle-Beobachter Tim Hall in seinem Blog darauf aufmerksam gemacht, dass die Firma die Lizenzbestimmungen für Cloud-Umgebungen am 23. Januar geändert hat. Die Änderungen betreffen die Oracle-Software in der Microsoft Azure Cloud, in Amazons Elastic Cloud Computing (EC2) und dessen Relational Database Service (RDS).
 
Eine AWS vCPU entspricht nun einer Oracle-Prozessor-Lizenz, es sei denn zwei virtuelle Prozessoren entsprechen nur zwei Threads einer CPU mit Hyperthreading. Wer auf AWS Hyperthreading nicht aktiviert hat, muss virtuelle CPUs als ganze Cores zählen. Wenn man also für den Betrieb seiner Oracle-Anwendungen zwei Kerne benötigt, muss man für beide bezahlen. Das gilt auch für Azure, das auf seinen Servern kein Hyperthreading verwendet.
 
Zudem ist die Faktorentabelle nicht mehr anwendbar, wenn man die Prozessorkerne in den betreffenden Cloud-Umgebungen zählt. Damit verdoppeln sich die Lizenzgebühren auf einen Schlag.
 
Tim Hall weist darauf hin, dass nicht klar ist, ob bestehende Lizenzverträge angepasst werden oder dies nur Neukunden betrifft.
 
Laut 'The Register' vermutet Pieter Jansen, Besitzer einer Consulting-Firma für Oracle-Lizenzen, dass Oracle damit seine eigene Cloud attraktiver machen will. Der Konzern hatte Ende 2015 sein Cloud-Angebot aufgemotzt und AWS als grössten Konkurrenten in diesem Bereich bezeichnet. (ts)