Das Leiden der Kantone an der Informatik

Ein Freitags-Kommentar.
 
In gleich drei Kantonen beschäftigte sich die Öffentlichkeit diese Woche mit der Kantonsinformatik. In Zürich wurde der lang erwartete neutrale Untersuchungsbericht über die Kantonsinformatik veröffentlicht. Das Fazit ist vernichtend: Die IT-Strategie des Kantons sei schlicht gescheitert, finden die externen Experten. Ob der Regierungsrat die Schelte auf 400 Seiten ernst nimmt? Man muss es bezweifeln. Man setzt nun eine überdepartementale Kommission ein, die IT-Governance-Grundlagen (!) schaffen soll.
 
Auch im Kanton Glarus gibt die staatliche Informatik zu reden. Die Landsgemeinde hat das neue Informatikgesetz, mit dem kantonale und Gemeindeinformatik zusammengelegt werden sollten, abgelehnt. Doch wie geht es nun weiter? Bedeutet die Ablehnung des Gesetzes, dass die Gemeinden vom Kanton in Sachen Informatik alleine gelassen werden (müssen)? Bleibt zum Schluss alles beim Alten, weil der bisherige Betreiber der Gemeindeinformatik die Ausschreibungen gewinnt?
 
Am spektakulärsten sind gleich mehrere Software-Projekte im Kanton Zug gescheitert. Seit Anfang 2016 ist ein neuer Mann im Zuger Regierungsrat, Heinz Tännler, für das Finanzdepartement und die Informatik verantwortlich. Er scheint Konflikte nicht zu scheuen und baut die Zuger Informatik nun – unter neuer Leitung – ziemlich radikal um. Die einst dezentralen IT-Organisationen sollen in einem Dienstleistungszentrum zusammengelegt werden und man will sich eine neue IT-Strategie geben.
 
Vielleicht entpuppen sich die Zuger Informatik-Probleme, die wir als "IT-Flop" oder auch mal "IT-Debakel" bezeichnet haben, als heilsam. Der Flop als (teures) Medikament. Hoffen wir doch, der Kanton Zürich ist nicht auf eine Kur mit "Skandaloson forte" angewiesen. (Christoph Hugenschmidt)