Boon bringt Apple Pay für alle

Mit der App Boon können iPhone-Besitzer Apple Pay nutzen, auch wenn die eigene Bank und Kreditkarte dies nicht ermöglichen.
 
Die mobile Payment App Boon ist nun auch in der Schweiz verfügbar. Die App des deutschen Zahlungsabwicklers Wirecard gibt es bereits in Grossbritannien und Frankreich, so eine Mitteilung. Interessant ist Boon, weil die App Zahlungen mit Apple Pay erlaubt, unabhängig davon ob die eigene Bank Apple Pay ermöglicht oder nicht. Bis anhin ist die mobile Payment App des iPhone-Herstellers in der Schweiz nur über eine limitierte Anzahl von Kreditkarten möglich. Unter anderem fehlen die Karten der Grossbanken UBS und Credit Suisse sowie der Postfinance und die Visa- und Masterkarten vieler Kantonalbanken.
 
Boon basiert auf einer digitalen Prepaid-Mastercard, die von Wirecard herausgegeben wird. Mit dieser virtuellen Kreditkarte können Nutzer ihr Konto per Debit- oder Kreditkarte gebührenpflichtig aufladen. Die App ermöglicht anschliessend Apple-Pay-Zahlungen an jedem NFC-fähigen Kassenterminal, der kontaktlose Mastercard-Zahlungen akzeptiert. Die Boon-App selbst müssen Nutzer für den Bezahlvorgang nicht aktivieren – sie nutzen Apple Pay.
 
Wirecard sieht Potenzial in der Schweiz
"Die Schweiz bringt in meinen Augen ideale Voraussetzungen, mit digitalen Innovationen zu starten. Boon wird in den kommenden Monaten kontinuierlich weiterentwickelt und gemeinsam mit Partnern zu einer globalen Marke etabliert", sagt Georg von Waldenfels, Executive Vice President Consumer Solutions bei Wirecard, der 'Handelszeitung'.
 
Im ersten Jahr ist Boon gratis, anschliessend ist eine monatliche Gebühr von 99 Rappen fällig. Ebenfalls kostenpflichtig ist das Aufladen der Kreditkarte. Dabei wird jeweils ein Prozent des Guthabens und mindestens ein Franken berechnet. Wer Boon im Ausland nutzt bezahlt 1,25 Prozent des Betrags als Gebühr.
 
Twint bietet kein NFC
Der Start von Boon könnte Apple Pay einen Schub verpassen und die Verbreitung fördern. Apple selbst gibt keine Zahlen dazu bekannt, wie viele aktive Nutzer Apple Pay in der Schweiz hat. Einem Bericht des 'Tagesanzeigers' vom Oktober zufolge, sind es nur einige Tausend Kunden.
 
Die Schweizer Lösung Twint ist seit einiger Zeit auf dem Markt. In wenigen Monaten wird die neue Version lanciert, die aus der Fusion von Twint und Paymit entstanden ist. Twint setzt statt auf die NFC- auf die Bluetooth-Kommunikation und QR-Codes. Grund dafür ist, dass Apple die NFC-Schnittstelle für Drittanbieter sperrt. Um Twint dennoch für iPhone-Besitzer anbieten zu können, werden Zahlungen bei Twint entweder über einen QR-Code oder über Bluetooth-Beacons ausgelöst.
 
Der Vorteil der NFC-Technologie ist, dass das Smartphone zur Kreditkarte wird. An jedem Terminal, an dem kontaktloses Bezahlen möglich ist, kann dann auch mit dem Smartphone – mit Apple Pay – bezahlt werden. Händler müssen nicht in neue Technologie investieren. (kjo)