Im Reisswolf: Song-Apps

Manche App-Entwickler sind geheimniskrämerisch. Dabei hatte Kolumnist Peter Wolf doch nur eine Idee.
 
Was soll man von einer App halten, deren einzige Daseinsberechtigung darin besteht, Musik abzuspielen, und die bei Fehlmanipulationen ohne Vorwarnung abrupt die Wiedergabe abbricht (ohne dass man auf die Pause-Taste gedrückt hätte)? Oder brüsk den Song wechselt, wenn man in der App herumtippt, um neue abzuspielende Songs zu finden?
 
Verwirrend gestaltet, würde ich sagen.
 
Vor allem, wenn eine Menge anderer Aktionen von Warnmeldungen oder Statusmeldungen begleitet werden. Das einzige für den User und die anderen Zuhörenden wirklich Nervige aber kann ohne Warnung erreicht werden: die laufende Wiedergabe abzubrechen.
 
Die Rede ist von der App zur Kontrolle der eigentlich hervorragenden Sonos-Lautsprecher (bei der Spotify-App ist es übrigens nicht viel besser). Dort gibt es für alles ewig lange angezeigte Statusmeldungen (wenn ein Song zu einer Liste hinzugefügt wird) oder wegzuklickende Warnungen (wenn man zum Beispiel kurz davor ist, eine Liste durch eine andere zu ersetzen), aber nicht, wenn man im Begriff ist, das laufende Lied abzuwürgen.
 
Wenn man dann ermuntert durch den Hersteller Feedback gibt, erhält man Folgendes zur
Antwort: "Vielen Dank für Ihre Kontaktaufnahme mit dem Sonos Support und Ihre aufgebrachte Zeit für Ihren Verbesserungsvorschlag. Wir versuchen stets die Sonos Erfahrung zu verbessern und haben Ihren Vorschlag an unser Produktteam weitergeleitet. Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass wir zukünftige Produkte und Produkteigenschaften nicht vorab kommunizieren."
 
Plus noch ein paar Floskeln, die zeigen, dass der Input nicht als Verbesserungsvorschlag aufgefasst wurde, wie Customer Care auf Nachhaken auch erklärt. Die inkonsistente Bedienung wird als Feature erklärt, nicht als Bug. Geheimniskrämerei und Uneinsichtigkeit also.
 
Zwar sollte eine Musik-App einen klar deklarierten Not-Aus-Schalter anbieten (z. B. in Form des vom Kassettenrecorder her bekannten Pause-Symbols), mit der man sie zum Schweigen bringen kann, wenn etwa das Telefon läutet oder man sein eigenes Wort nicht mehr versteht.
 
Ansonsten aber soll sie zuverlässig das soeben laufende Stück zu Ende spielen und danach dasjenige, das man vorher als nächstes ausgewählt hat. Und falls der gerade laufende Song sich als grottenschlecht herausstellt, soll man diesen mit einer entsprechenden Taste (nach Warnung) überspringen können.
 
Brüske Änderungen im Programm sind via Kopfhörer schon lästig, wenn aber auch noch das im Raum befindliche Publikum via Lautsprecher die Inkompetenz des Users mitbekommt, wird es unangenehm.
 
Und lasst euch sagen, App-Entwickler: Wer eine App derart lausig gestaltet, dass sich deren Benutzer inkompetent fühlt, der macht sich diesen User nicht zum Freund.
Das gilt für Messenger, bei denen einem unabsichtlich ein Foto oder Text an alle rausrutscht genauso wie für News-Apps, bei denen sich ein nerviger Push nur kompliziert abstellen lässt oder für Musik- oder Video-Player, die ohne Warnung das laufende Programm unterbrechen.
 
Peter Wolf (51) beschäftigt sich seit seiner Kindheit mit Technik. Zuerst eher mechanisch durch Aufschrauben und Nachschauen, später vermehrt auch mit elektronischen Produkten und mit Services. Seit 1985 war er immer wieder mal bei Ringier beschäftigt, zuletzt als Trend Scout und Social Media Evangelist. Heute arbeitet er als Research Analyst bei e-foresight im Swisscom-Geschäftsbereich Banking und als Kolumnist und App-Tester für diverse Publikationen - unter anderem für inside-it.ch.