SBB-Strategie 2020: Apps, Sensoren und IoT

Bild: SBB
Die SBB will bis 2020 rund 22 Milliarden Franken investieren. Ein erheblicher Teil davon in die Modernisierung der Infrastruktur.
 
Die SBB hat heute Montag ihre Strategie 2020 vorgestellt und erklärt wie sie sich für die Mobilität der Zukunft fit machen will. SBB-CEO Andreas Meyer erklärte vor versammelter Presse, dass das Unternehmen vor zwei Jahren mit der Diskussion mit Stakeholdern aus dem Feld der Mobilität begonnen habe und nun die Resultate präsentiere. Die SBB müsse "Rückgrat und treibende Kraft des öffentlichen Verkehrs bleiben", so Meyer. Um das zu erreichen, will die Bundesbahn bis 2020 rund 22 Milliarden Franken investieren. Zwar wollten die Verantwortlichen keine genaueren Angaben zu den Kosten konkreter Projekte machen, aber eines ging aus den Präsentationen deutlich hervor: Ein grosser Teil der Summe dürfte in die Digitalisierung und Automatisierung fliessen.
 
Die SBB kann das grosse Unterfangen nicht alleine stemmen, darum arbeitet das Unternehmen mit verschiedenen Playern zusammen. Nebst etablierten Firmen wie Google und IBM nannte Bruno Lochbrunner, Leiter des konzeptionellen Bahnhofsmanagements, auch die ETHZ und die Universität Zürich sowie Startups. Bereits im Juni hatte das Bahnunternehmen bekannt gegeben, welche Partner im IT-Engineering zum Zuge kommen. Daneben soll ein konzernübergreifendes Innovationsmanagement und ein Innovationsfonds in Höhe von zwölf Millionen Franken geschaffen werden.
 
Die SBB verfolgt zudem eine Open-Data-Strategie. Das heisst, sie stellt ihre Kundeninformationsdaten auf opentransportdate.swiss online, damit Drittunternehmen unabhängig vom Bundesbetrieb Lösungen entwickeln können. Entstanden sind auf Grundlage der Daten bisher vor allem Fahrplan-Apps, wie die Showcase-Seite belegt.
 
Laut Meyer hofft man durch die Modernisierung der Infrastruktur und weitere Massnahmen per 2020 die Kosten um rund 1,2 Milliarden Franken zu reduzieren. Die Einsparungen sollen dank Automatisierung der Fahrplanerstellung, des Bahnbetriebs sowie der Zugsteuerung erreicht werden. Zudem prüft die SBB die Möglichkeit von ferngesteuerten Zügen. Das Sparziel soll aber auch erreicht werden, weil die Kapazitäten des Schweizer Bahnnetzes durch die Digitalisierung um bis zu 30 Prozent gesteigert werden könnten. Man hofft auf einen dichteren Fahrplan, weniger Störungen und genauere Kundeninformationen im Störungsfall.
 
Tür-zu-Tür-Mobilität für die Kunden
"Die Kunden wollen kombinierten Verkehr", erklärte Meyer. Die Zukunft sei der öffentliche Individualverkehr, konkret heisst das etwa eine Verbindung von Zug und autonomen Autos. Die SBB versuche diesem Bedürfnis nach Kombination verschiedener Transportmittel bereits zu entsprechen, indem sie zwar den Fokus auf dem Eisenbahnverkehr behalte, aber zugleich der Tür-zu-Tür-Mobilität eine hohe Priorität einräume.
 
Das heisst im Konkreten, dass die SBB eine App entwickelt und seit Dezember 2016 in der Pilotphase zur Verfügung stellt, die die Reiseplanung und -Buchung von Haustür zu Haustür mit unterschiedlichen Verkehrsmitteln möglich macht. Man kann mit der App "SBB Reiseplaner" zum Beispiel Fussweg, Fahrrad, Miet-Auto und Zug kombinieren und verschiedene Kombinationen etwa nach Zeit und Kosten vergleichen. Das Ziel der App sei es, alle relevanten Verkehrsmittel zu integrieren und so umständliches Wechseln zwischen Google-Maps, Mobility-Homepage, Bike-Sharing- und SBB-Site überflüssig zu machen, hiess es an der Präsentation. Die Weiterentwicklung der App werde in Zusammenarbeit mit den Kunden angestrebt, die ihre Kritik und Wünsche auf der SBB-Preview-Seite hinterlassen können. Laut Angaben auf der Site sind momentan rund 1800 Kunden registriert.
 
Daneben wird die SBB "Mobile App" weiterentwickelt, die heute schon Touch-Fahrplan, Billet- und Abokauf, personalisierte Einstellungen, Demo-Kauf zum Testen und Kundeninfos in Echtzeit bietet. Die preisgekrönte App wurde nach Angaben der SBB bereits acht Millionen Mal heruntergeladen und es werden rund 70'000 Billette pro Tag über diesen Kanal verkauft. Eine Community bestehend aus rund 250'000 Usern würde die neuen Features ausprobieren und könne Feedback geben, schreibt die SBB in einer Mitteilung. Im ersten Quartal 2017 soll eine Sprachsteuerung und ein Sprachroboter für weitergehende Auskünfte eingeführt werden. Der Voice-Fahrplan, der am Presseanlass präsentiert wurde, hat allerdings noch seine Tücken: Die Eingabe auf Hochdeutsch "Bern – Zürich" wollte das Programm nicht schlucken. Auf Befehle in Bern- und Zürideutsch reagierte das Gerät aber korrekt und präsentierte die entsprechenden Verbindungen.
 
Der digitalisierte Bahnhof
Auch für den Hauptbahnhof Zürich bietet die SBB eine App, die mittlerweile 80'000 Mal heruntergeladen wurde. Rund 1100 im ganzen HB installierte sogenannte Beacons – kleine rund 10 Franken teure Sender– sollen mittels der App eine genaue Navigation im Bahnhof ermöglichen. Zudem kann man über das Programm Informationen zum Bahnhof oder News und Anschluss-Verbindungen anschauen. Nach und nach will man neue Funktionen auf der App einführen, sagte Bruno Lochbrunner. So plant man einen Bahnhofs-Chat, den die SBB in einer Mitteilung als digitalen "Concierge Service" bezeichnet. Mittels dieses Chats soll man bei Angestellten vor Ort, weitergehende Informationen über den Bahnhof erfragen können.
 
Nebst den heute schon eingesetzten digitalen Anzeigen, Billettautomaten mit Touchscreen – die irgendwann des Sprechen lernen sollen – und Gratis WiFi soll künftig über Smartphones Bahnhofinfrastruktur wie Rolltreppen, Lift oder Licht gesteuert werden können. Da die Devices ins IoT-Netz eingebunden sind, soll man auch in Echtzeit Informationen über Störungen erhalten.
 
Etwas vollmundig verspricht die SBB, die Bahnhöfe zu vernetzten, multimodalen Mobilitätshubs zu entwickeln. Durch Zusammenarbeit, aber auch dank sogenannter "Hackathons" für unabhängige Soft- und Hardwareentwickler will man den HB Zürich zum digitalsten Verkehrsknotenpunkt Europas machen.
 
Der intelligente Güterwagen
Auch vor dem Güterverkehr macht die Digitalisierung nicht halt. So werden Cargo-Wagen mit verschiedenen Sensoren ausgerüstet, die Temperatur, Erschütterung aber auch die Position des Wagens ermitteln sollen. Heute sind bereits 150 Wagen im Betrieb, die Temperaturüberwachung und auch Verwiegetechnik als Beladehilfe integriert haben. Noch dieses Jahr soll die Geolokalisierung eingeführt werden, bestätigt Christian Schmidt von SBB Cargo gegenüber inside-it.ch.
 
Die Rangierbahnhöfe werden im Projekt "Wayside Intelligence" mit Kameras ausgestattet, die eine visuelle Kontrolle der Wagen möglich machen. Künftig sollen mittels Sensorik und Kameras alle sicherheitsrelevanten Faktoren abgedeckt und der Güterverkehr so ständig überwacht werden. Ergänzt wird diese Überwachung durch die ständige Fahrbahnanalyse, die bereits heute in Betrieb ist. (ts)