Es ist definitiv: Fiscal-IT benötigt 26 Millionen zusätzlich

Beim Informatik-Debakel Insieme gingen über 100 Millionen Franken verloren. Auch das Nachfolgeprogramm Fiscal-IT kostet gemäss einer Schätzung der Eidgenössischen Steuerverwaltung (ESTV) 26 Millionen Franken mehr als geplant.
 
Das Parlament hatte dafür initial 85,2 Millionen Franken bewilligt. Bald wurde aber klar, dass das nicht ausreichen würde. Die Eidgenössische Finanzkontrolle (EFK) warnte schon letzten Sommer vor Mehrkosten.
 
Am Mittwoch erlaubte der Bundesrat dem Finanzdepartement, einen Nachtragskredit von 18 Millionen Franken zu beantragen. Nächstes Jahr werden weitere 8 Millionen zusätzlich fällig.
 
Letzten Dezember hatte auch der zuständige Bundesrat Ueli Maurer vor Mehrkosten gewarnt und einen noch höheren Nachtragskredit von 30 Millionen Franken prognostiziert.
 
Der Bundesrat gibt verschiedene Gründe für die Mehrkosten an. Zum Zeitpunkt der ursprünglichen Kostenschätzung im Jahr 2012 sei offen gewesen, mit welchen Technologien Fiscal-IT umgesetzt werde, heisst es in einer Mitteilung. Weil das System auf Technologien basiert, die in der Bundesverwaltung nicht etabliert sind, fallen Innovationskosten an.
 
Weiter wurden die Kosten für die Integration der einzelnen Applikationen unterschätzt. Zudem wurden wegen neuer Aufgaben der ESTV, etwa im Zusammenhang mit dem automatischen Informationsaustausch, zusätzliche Applikationen nötig. Und schliesslich führten auch Verzögerungen im Projekt selber zu Mehrkosten.
 
Die genauen Hintergründe hat die ESTV gegenüber inside-it.ch detaillierter ausgeführt: Wie Innovation zum Kostentreiber wurde sowie Details zu wichtigen Kostentreibern.
 
Der Bundesrat geht nun aber davon aus, dass die elektronischen Systeme der ESTV wie geplant bis Ende 2018 vollständig erneuert werden können. Er weist in der Mitteilung darauf hin, dass viele der insgesamt 29 Projekte von FISCAL-IT bereits umgesetzt sind.
 
Zahlreiche Systeme sind bereits operativ. Aktuell werden über Enterprise Service Bus E2 laut ESTV etwa 40 Schnittstellen integriert. Bis Ende 2018 sollen circa 30 interne ESTV-Systeme mit rund 100 Schnittstellen über E2 integrieret werden.
 
Weiter sollen laut ESTV bis Ende 2018 etwa 700 Finanzinstitute und rund 50 Vertragsstaaten angebunden werden.
 
Letzten November hatte die EFK gegenüber inside-it.ch gesagt, es drohe nach dem damals aktuellen Wissensstand Mehrkosten, aber kein Insieme-Debakel. (sda / Marcel Gamma)