Luzern: Ex-IT-Chef plädiert auf unschuldig

Im Schmiergeldprozess um einen ehemaligen Informatikchef des Kantons Luzern hat der Staatsanwalt am Mittwoch vor Gericht dem Angeklagten auf Dauer angelegte Korruption vorgeworfen. Der Amtschef habe mit unerlaubten Nebeneinkünften sein Gehalt aufbessern wollen. Laut Staatsanwalt habe der Angeklagte seine Stellung missbraucht und dem Kanton Luzern einen Imageschaden beschert. Der Mann habe eine erhebliche kriminelle Energie aufgewendet.
 
Provisionen von über 300'000 Franken
Der Angeklagte soll bei Aufträgen an Firmen heimlich Provisionen von 323'000 Franken in die eigene Tasche gesteckt haben. Das Geld floss laut Anklage anhand eines "undurchsichtigen Vertragswerks" an ihn respektive über eine von ihm gegründete Firma. Gegenüber den Vorgesetzten habe der Angeklagte diese Nebeneinkünfte verschwiegen, argumentierte der Staatsanwalt weiter.
 
Der ehemalige IT-Chef hat vor dem Kriminalgericht die Provisionszahlungen von Kundenfirmen an seine Adresse verteidigt. Er habe nicht das Gefühl gehabt, etwas Unrechtes zu tun. Zudem hätten sich seine Vorgesetzten nicht für die Verträge interessiert. In der Befragung vor dem Kriminalgericht sagte der 49-jährige ehemalige Amtschef, er wisse heute, dass die Verträge nicht unproblematisch gewesen seien. Er sei aber überzeugt, keine unrechten Handlungen begangen zu haben.
 
Wechsel von der Privatwirtschaft
Als Dienststellenleiter habe sich das Einkommen des Mannes von vorher 63'000 auf "schlappe" 15'400 Franken im Monat reduziert. Das habe er nicht hinnehmen wollen. Das Verschulden des Angeklagten wiegt nach Ansicht des Staatsanwaltes schwer.
 
Bei seinem Wechsel aus der Privatwirtschaft zum Kanton habe er bewusst weniger Einkommen in Kauf genommen, sagte der Angeklagte. Er sei aber nicht zum Kanton gekommen, um diesen auszurauben.
 
Regierungsrat soll aussagen
Der Verteidiger verlangte, dass der zuständige Regierungsrat Marcel Schwerzmann (parteilos) vor Gericht aussagt. Er stellte mehrere ergänzende Beweisanträge. Schwerzmann sei der grosse Abwesende vor Gericht, sagte der Verteidiger. Dabei stütze sich die Anklagte aber stark auf die Angaben des Regierungsrats. Das Gericht hat noch nicht über die Anträge entschieden.
 
Der Staatsanwalt beantragt eine Verurteilung wegen ungetreuer Amtsführung und mehrfacher Urkundenfälschung. Er verlangt eine Freiheitsstrafe von drei Jahren, ein Jahr davon unbedingt. Zusätzlich fordert er eine Geldstrafe von 18'000 Franken (90 Tagessätze à 200 Franken). (kjo/sda)