CS will Compliance-Software verkaufen

Die Compliance Surveillance Software der CS-Tochter Signac soll zum Geschäft werden.
 
Tricksende Banker können hohe Kosten verursachen und die Regulatoren schauen Banken seit der Finanzkrise verstärkt auf die Finger. Seit 2009 haben Banken ihre Compliance-Tätigkeiten hochgefahren und die entsprechenden Kosten stiegen laut McKinsey "dramatisch".
 
Nun soll Big Data-Software Risiken minimieren und Kosten senken helfen: Die 'Handelszeitung' berichtet, die CS habe eine neuartige Software im Einsatz, welche die Transaktionen der Banker ebenso überwacht und analysiert wie deren internes Messaging, E-Mails und andere Datenquellen.
 
Die Software, welche offenbar Verhaltensauffälligkeiten zeitlich und sprachlich analysieren kann, wurde in einem 50/50-Joint-Venture mit dem Big Data-Spezialisten Palantir Technologies entwickelt. Dies ist laut 'Forbes' "eine der wertvollsten privat geführten Technologie-Firmen des Silicon Valley".
 
Die gemeinsame Tochter heisst Signac und beschäftigt in London und New York rund 40 Datenanalysten, Software-Engineers und ehemalige Trader von Banken. Bislang hat die CS ihre Compliance-Software auf oberstem Supervisor-Level ausgerollt, nun erhält die Aufseher-Basis im Trading Floor die Lösung.
 
CS entert interessanten Software-Markt
"Nachdem wir in einem ersten Schritt die Handelsrisiken adressiert haben, wollen wir Signac auch in der Vermögensverwaltung ausrollen", lässt sich Lara Warner, Compliance- und Regulierungschefin bei der Credit Suisse, im Artikel zitieren.
 
Der Erfolg von Signac wird sich aber nicht nur in gesunkenen Kosten für Rechtsfälle messen, und die Software soll auch nicht nur die Risikoeinschätzung von Regulatoren positiv beeinflussen: Die CS will mit der Software Geld verdienen.
 
"Ab Ende Jahr wollen wir Signac auch für Drittkunden öffnen und weitere Banken als Kunden gewinnen", kündigt Warner an. Zielgruppe sind offenbar vor allem kleinere Banken.
Damit entert die CS ein interessantes, neues Geschäftsfeld. Denn unter dem Stichwort "Compliance 2.0" bietet sich ein Markt für Compliance Surveillance Software, in dem sich bislang vor allem Startups tummelten.
 
Aus Kosten- und Komplexitätsgründen geht es offensichtlich in der künftigen Compliance nicht mehr nur um menschliche Spezialisten, Ethik-Codes, Rechte und Rollen oder um Informationsmanagement in Silos und mit herkömmlichen Software-Lösungen.
 
Es wird sich zeigen, ob eine Grossbank den Schritt zum Software-Anbieter schafft und so zur Konkurrentin von herkömmlichen Software-Schmieden zu werden. Es dürfte dabei kein Zufall sein, dass die Grossbank Signac als unabhängiges und wohl agileres Startup betreibt.
 
Und die kleine Glarner Kantonalbank wird leise lächeln, sie betreibt das Geschäftsfeld "Software-Verkauf" schon jetzt als profitables neues Geschäftsfeld. (Marcel Gamma)