Kanton Zürich sucht neue IT-Polizisten

Bereits im Dezember 2016 hatte der Kanton Zürich angekündigt, dass die Kantonspolizei mit zehn Stellen für die Bekämpfung von Internetkriminalität aufgestockt wird. Damals wollte die Sicherheitsdirektion auf Anfrage nicht bekannt geben, wofür die IT-Ermittler genau eingesetzt würden. Heute weiss man zumindest: Die neuen Stellen sind Teil des Ausbaus des Zürcher Kompetenzzentrums Cybercrime.
 
Der Zürcher Regierungsrat hat nämlich trotz allgemeinem Spardruck bei Kantonspolizei und Staatsanwaltschaft insgesamt 20 neue Stellen für diesen Ausbau bewilligt. Das Kompetenzzentrum wird damit auf 32 Angestellte vergrössert.
 
Mehr Informatiker und Staatsanwälte
Bei der Kantonspolizei Zürich sollen zehn zusätzliche zivile Informatikspezialisten angestellt werden. Die Stellen werden gemäss Regierungsratsbeschluss auf den 1. März geschaffen. Laut Sicherheitsdirektor Mario Fehr soll die Suche nach geeigneten Informatikern rasch an die Hand genommen werden.
 
Als inside-it.ch im Dezember nach der konkreten Tätigkeit der zehn Informatiker fragte, hiess es, man solle sich im Januar wieder melden. Doch auch heute konnten weder die Sicherheitsdirektion noch die Kantonspolizei Auskunft erteilen, was die IT-Spezialisten genau machen werden. Man sei nun dabei, im Detail zu schauen, wo man die Kompetenzen einsetze und werde zeitnah die Stellenbeschreibungen publizieren, sagte die Kantonspolizei.
 
Bei der Staatsanwaltschaft werden fünf neue Stellen für Staatsanwälte sowie fünf für Verwaltungsassistenzen zu deren Unterstützung geschaffen. Diese sollen auf den 1. Januar 2018 im Kompetenzzentrum angesiedelt werden.
 
Die Mittel für den zusätzlichen Personalaufwand bei der Polizei betragen etwas über 1,5 Millionen Franken jährlich, steht in einem Regierungsratsprotokoll. Die zusätzlichen Personalkosten für die Staatsanwälte belaufen sich nochmals auf rund 1,5 Millionen Franken.
 
Verstärkte Ausbildung
Wegen der steigenden Bedrohung braucht es gemäss Daniel Nussbaumer, Co-Leiter das Zentrums, nicht nur die Spezialisierung im Kompetenzzentrum, sondern auch die allgemeine Ausbildung an der Basis. Für die Aufklärung und Bekämpfung von Internetkriminalität aber auch allgemeiner Straftaten mit IT Bezug sei "neben polizeilichem Wissen immer mehr auch ziviles IT-Know-how erforderlich", kann man im Regierungsratsprotokoll lesen. In diesem Jahr werden 500 Frontmitarbeitende den Kurs "Polizeiliche Ausbildung für Computer-Ermittlungen (PACE)" belegen.
 
Vor acht Jahren hatte die Zürcher Regierung die Bekämpfung von Cyberkriminalität erstmals als einen der Schwerpunkte der Strafverfolgung definiert. Ende 2013 nahm das Kompetenzzentrum Cybercrime seinen Betrieb auf, das gemeinsam von Staatsanwaltschaft und Kantonspolizei und unter Einbezug der Stadtpolizei Zürich geführt wird.
Gemäss Regierungsrat ist Zürich der einzige Kanton, der die Zusammenarbeit von Polizei und Staatsanwaltschaften im hochspezialisierten Cybercrime-Bereich in einem gemeinsamen Kompetenzzentrum eingerichtet hat.
 
Diese Zusammenarbeit habe sich bewährt, heisst es im Beschluss. Im Jahr 2016 schloss das Kompetenzzentrum 109 Untersuchungen ab – es kam zu 4 Anklagen und 27 Strafbefehlen.
 
Mehr Zusammenarbeit schweizweit
Justizdirektorin Jacqueline Fehr erklärte gegenüber der 'NZZ', dass man die Zusammenarbeit mit anderen Kantonen und dem Bund ausbauen wolle. Deshalb will die Konferenz der kantonalen Justiz- und Polizeidirektoren (KKJPD) zusätzliche Cybercrime-Kompetenzzentren schaffen. Konkret soll ein zusätzliches in der Deutschschweiz und eines in der Westschweiz entstehen. (ts/sda)