DaziT: Bundesrat will 400-Millionen schweres IT-Programm starten

Die Zollverwaltung soll umfassend digitalisiert werden.
 
Sämtliche Zollprozesse sollen digitalisiert werden. Das setzt die Erneuerung der Informatik in der Eidgenössischen Zollverwaltung voraus. Der Bundesrat beantragt dem Parlament dafür einen Gesamtkredit von 393 Millionen Franken.
 
Der Kredit wird in sieben Verpflichtungskredite gegliedert, die auf sieben Projekte aufgeteilt werden: Steuerung und Transformation, IKT-Grundlagen, Kunde und Portal, Redesign Fracht, Redesign Abgaben, Shared Services sowie schliesslich Kontrolle und Befund. Inbegriffen ist zudem die Summe von 78 Millionen für die temporäre Betriebskostenerhöhung während der Umsetzung. Als Reserve sind rund acht Prozent, nämlich 31,7 Millionen Franken, budgetiert.
 
Am Mittwoch hat der Bundesrat die Botschaft zum Programm mit dem Namen DaziT verabschiedet, wie das Finanzdepartement (EFD) heute Donnerstag mitteilte. Dieses soll insbesondere die Wirtschaft entlasten, indem die Kosten für die Zollverfahren gesenkt werden. Bis 2026 sollen sämtliche Zollprozesse digitalisiert sein.
 
Das EFD sagt: Eine qualifizierte Schätzung
Die Berechnungen der Kosten seien eine qualifizierte Schätzung, hält das EFD fest. Diese sei durch ein externes Gutachten validiert worden. Angesichts der Dimension und Zeitdauer des Vorhabens und der nicht abschliessend vorhersehbaren technologischen Entwicklungen, sei die Schätzung aber mit den üblichen Unsicherheiten behaftet.
 
DaziT ist ein Informatik-Schlüsselprojekt des Bundes. Damit erhält der Bundesrat die Möglichkeit, laufend steuernd auf die Entwicklung einzuwirken. In seiner Botschaft hält der Bundesrat fest, dass die Aufwandschätzung der Eidgenössischen Zollverwaltung (EVZ) in Zusammenarbeit mit dem BIT präzisiert würde. Der Freigabe der einzelnen Verpflichtungskredite würden darauf beruhen und seien damit möglichst sicher.
 
Die Ziele des Projekts
Wenn das Projekt umgesetzt ist, sollen Kunden ihre Verpflichtungen über ein Internet-Portal rund um die Uhr und von jedem Ort aus erfüllen können. Das soll auch Reisenden dienen: Waren können so schon vor der Einreise beim Zoll angemeldet werden, was den Grenzübertritt beschleunigt.
 
DaziT soll sich auch auf die Sicherheit auswirken. Kontrollen würden dank der besseren Datenlage wirkungsvoller, schreibt das EFD. Ausserdem könnten Daten schneller mit in- und ausländischen Stellen ausgetauscht werden.
 
Innerhalb der Verwaltung soll DaziT zu schlankeren und effizienteren Prozessen führen. Die heutige Informatik und die fehlende Digitalisierung verursachten administrative Routinearbeiten. Mit DaziT könnten mehr Kapazitäten für Kontrollen im Waren- und Personenverkehr eingesetzt werden. (ts/sda)

Unser Kommentar:

"Wir haben Mühe mit Grossprojekten", sagte Ueli Maurer über die Informatik-Projekte seines Departements. Und man darf heute schon eine Prognose zum Schicksal von DaziT abgeben: Das Finanzdepartement wird auch mit diesem Projekt Mühe haben. Auch wenn es seriös geplant sein dürfte, die besten Leute darauf angesetzt werden und nach besten Wissen und Gewissen budgetiert wurde.
 
Oder was halten Sie von diesen Stichworten aus der Botschaft: "Umfassend erneuert", "durchgängige Digitalisierung", "neunjährige Projektdauer", "Fachanforderungen noch nicht detailliert klar", "aktuell 80 Insellösungen" und "Reorganisation"?
 
Es gab früher offenbar gut gemanagte IT-Projekte des Bundes, die trotzdem scheiterten. An der schieren Grösse und Komplexität. An wechselnden Anforderungen, komplexen Geschäftsprozessen und unterschiedlichen Interessen, langen Vorlaufzeiten, beschaffungsrechtlichen Aspekten. Und über die technischen Entwicklungen bis 2026 wollen wir gar nicht spekulieren.
 
Dies droht wiederum eines dieser "Projektmonster" zu werden.
 
Wenn die Botschaft von "unter diesen Umständen üblichen Unsicherheiten" spricht, dann heisst das in Informatikdeutsch: DaziT wird teurer werden als budgetiert. Und sonst esse ich 2026 keinen Besen, sondern ein Motherboard. (Marcel Gamma)