Drahtlos Strom für einen ganzen Raum

Der von Disney Research gebaute Testraum. Ein Screenshot aus dem unten erwähnten Youtube-Clip.
Disney Research hat eine neue Idee.
 
Ingenieure von Disney Research haben ein System entwickelt, über das in einem Raum viele Geräte gleichzeitig drahtlos mit Strom versorgt werden können. Drahtlose Energieübertragung kennt man heutzutage vor allem von drahtlosen Ladegeräten für Smartphones. Diese haben aber eine kurze Reichweite. Man muss ein Handy nicht einstöpseln, aber immer noch daran denken, es auf das Ladepad zu legen, damit es geladen wird.
 
Die Disney-Leute haben nun sozusagen einen ganzen Raum zum drahtlosen Ladegerät gemacht. Man muss nur eintreten, und ein Handy beginnt automatisch damit, sich aufzuladen. Der Zweck der Technologie geht aber weit über das Aufladen von Handys hinaus. Auch Fernseher, PCs und andere Elektrogeräte sollen gleichzeitig mit Strom versorgt und betrieben werden können.
 
Das physikalische Prinzip, auf dem die Technologie basiert, wird vom Forscherteam "quasistatic cavity resonance" genannt. Die Wände, der Boden und die Decke des Raums bestehen aus Aluminium. Dazu kommt eine Kupfersäule in der Mitte des Raums, durch die Strom in wechselnden Richtungen in die Decke, den Boden und die Wände fliesst. Die Richtung wechselt mit einer Frequenz von 1,3 Megahertz. Dadurch entsteht um die Säule herum ein Magnetfeld mit ebenfalls wechselnder Richtung, das seinerseits in Empfängern in den Elektrogeräten einen Stromfluss erzeugt. Eine Vorstellung davon, wie das aussieht und funktioniert, erhält man in diesem Videoclip auf Youtube.
 
Laut den Forschern kann im Testraum bis zu rund 1,9 Kilowatt Stromleistung übertragen werden, ohne das für Menschen irgendeine gesundheitliche Gefahr entstehe, auch bei längerem Aufenthalt.
 
Laut den Disney-Leuten ist es im Prinzip problemlos möglich, das System zu verkleinern, zum Beispiel um "Ladeschachteln" herzustellen, oder auch es deutlich zu vergrössern. Es sei vorstellbar, ganze Fabriken oder Warenhäuser so mit Strom zu versorgen.
 
Nun will man aber wohl nicht jeden Raum mit Metallwänden bauen. Es sei aber möglich, so denkt das Disney-Team voraus, auch diese durch andere Materialien, beispielsweise eine Wandfarbe, die Strom leiten kann, zu ersetzen. Allerdings dürfte auch die Säule in der Raummitte ein Hindernis bei der praktischen Anwendung sein. Ob die Ingenieure auch dafür eine Lösung in Petto haben, wissen wir nicht.
 
Disney Research gehört zum Disney-Konzern und erforscht Technologieanwendungen für die Unterhaltungselektronik. Disney Research betreibt auch ein Laboratorium an der ETH Zürich, an dem im Bereich Video- und 3D-Technologien geforscht wird. (hjm)