Limux-Krach: Münchner CIO kritisiert Politiker

Im Februar hat der Münchner Stadtrat einen Antrag angenommen, in dem es unter anderem um die Erstellung eines Konzepts für eine einheitliche Client-Architektur auf Windows-Basis geht. Ein grosser Teil der Presse glaubte, dass das Linux-Experiment in München damit beendet sei, wenn gleich Politiker dies relativierten.
 
Nun hat sich Karl-Heinz Schneider, Chef des kommunalen ICT-Dienstleisters von München [email protected], zu Wort gemeldet. Gegenüber 'heise' gab sich dieser überrascht: "[email protected] kennt keine grösseren technischen Probleme mit LiMux und LibreOffice". Er sehe keine zwingenden technischen Gründe für einen Wechsel zu Windows und Microsoft Office. Die Unzufriedenheit, die sich in einer Umfrage gezeigt hatte, führt Schneider darauf zurück, dass die dezentralen IT-Einheiten der Ämter Betriebssysteme und Anwendungen zu langsam an die Endnutzer ausrollen würden. Dies habe zu einer Vielzahl alter und uralter Limux-, Windows-, und Office-Versionen geführt. Auch die Systemausfälle im Kreisverwaltungsreferat (KVR), die für viel Ärger gesorgt hatte, haben laut [email protected] nichts mit Limux zu tun gehabt.
 
Für Schneider ist es widersprüchlich, dass der Stadtrat eine einheitliche Windows-Landschaft will, während man gleichzeitig vom Betriebssystem unabhängig sein will. Sowieso sei eine Strategie mit einem Ein-Client-Betriebssystem problematisch, weil damit die mobilen Endgeräte ausgeschlossen würden. Der Dienstleister arbeite bereits an einer Virtualisierung von Programmen und Clients, damit man künftig nicht mehr an die verschiedenen Betriebssysteme gebunden sei.
 
Drastischer sieht ein nicht genannter Entwickler von [email protected] den Lauf der Dinge. Er hat sich in einem Brief an die Räte von München gewendet. Darin problematisiert er die Nutzung des Betriebssystems eines US-Giganten. Gerade in der "Ära Trump" sei dies höchst beunruhigend.
 
Die Entscheidung, sich von Linux abzuwenden, sei befremdlich und auf der Basis von Emotionen und politischen Interessen getroffen worden, statt die Fakten zu prüfen. Die Pläne zum Umstieg seien zeitlich komplett utopisch und es würden Kosten in zweistelliger Millionenhöhe auf die Stadt zukommen.
 
Wie schwer die Worte der beiden IT-Spezialisten wiegen wird sich wohl erst in der nächsten stadträtlichen Beratung zeigen. Es steht aber zu vermuten, dass der grosse Limux-Kampf noch nicht in die letzte Runde gegangen ist. (ts)