"2017 ist für die CS das Jahr der Digitalisierung der Schweiz"

Anke Bridge soll die CS Schweiz digitalisieren.
Anke Bridge, neue Digitalisierungs-Chefin der CS, kündigt erstmals ihre Pipeline an.
 
"Prägende Kräfte für die (digitale) Finanzwelt", war der der erste öffentliche Schweizer Auftritt von Anke Bridge als neue Digitalchefin der CS übertitelt. An der Konferenz Fintech 2017 versucht sie zu signalisieren, dass man dabei sei, den Digitalisierungs-Rückstand, den die CS zu haben scheint, wettzumachen. "Wir lernen, digital zu denken", sagt sie und meint damit nicht nur die Angebote, sondern auch die User Experience. Bei digitalen Wealth-Management-Projekten in Asien habe man viel lernen können. Die Basis der Schweizer Projekte bildet unter anderem eine "breite Streuung von Kundenfeedbacks". Das Statement zeigt gleichzeitig, wie viel die Bank noch zu lernen hatte.
 
Bridge kündigt an "2017 wird bei der CS das Jahr der Digitalisierung der Schweiz". Was heisst das konkret? Im Gespräch mit inside-it.ch am Rande der Konferenz bestätigt Bridge das Gerücht über das vollständig digitale Onboarding, Videoauthentifizierung inklusive. Man sei "sehr stolz", es sei "harte Arbeit" gewesen, all die physischen Daten und Prozesse zu integrieren. Als Key Feature betrachtet Bridge dabei die digitale Unterschrift. In einer ersten Phase werden Kunden in CS-Filialen noch von einem Mitarbeiter mit iPad an Bord genommen; im Mai 2017 dann soll das Onboarding via Internet funktionieren. Man arbeite zudem daran, die Authentifizierung via KI weiterzuentwickeln.
 
Überraschend offen zeigt sich Bridge, was die Pipeline der CS in der Schweiz betrifft. Die CS arbeite beispielsweise an ihrem "Ökosystem", nämlich einem Corporate Portal, das man aktuell mit einzelnen Kunden teste. Es soll Firmenkunden digitales Cash Management und Finanzierungslösungen bieten. Mai oder Juni ist der geplante offizielle Launchtermin.
 
Ein weiteres Schweizer Digitalisierungs-Projekt sei im Front-Back-Bereich, wo man den aufwändigen Papierkrieg minimieren will. Man sei an einem Scanning-Projekt, das alles schneller und billiger machen dürfte. Bridge nennt ein Mieterkautionsformular als Beispiel und Dritte-Säule-Dokumente als zweites. Der bisherige Prozess vom Kunden, der ein Papierformular ausfüllt bis zum Prozesschluss habe eine Woche gedauert. Mit dem neuen Scanning könne man mehr Papierdokumente schneller verarbeiten, der gesamte Prozess dauere nun noch einen halben Tag. Gleichzeitig sollen Kunden wie bei einem Postpaket verfolgen können, wo ihr Auftrag steht. Hierbei kooperiert man mit der Post.
 
Im Personal Finance Management arbeite man an einer KI-basierten Lösung, welche dem CS-Kunden nicht nur Infos zu seinem Kontostand gibt, sondern ihm für den verbleibenden "Free Cash" Investmentangebote machen soll.
 
Bridge, seit letzten Dezember Head of Digital Solutions and Delivery, nennt interne Kooperation zentral bei der Digitalisierung der neuen CS Schweiz. Und die finde auch statt, versichert sie. Business, IT und ihr Bereich würden eng zusammenarbeiten und Vorschläge für Projekte würden gemeinsam erarbeitet. Wie gut die CS-Betriebskultur im Alltag mit diesen heterogenen Stakeholdern wirklich ist, wird sich an den Resultaten zeigen. Ihr Job ist es jedenfalls, die digitale Roadmap der CS umzusetzen und weiterzuentwickeln.
 
Es wird sich auch zeigen, ob die aktuelle IT-Strategie dabei hilft, dass die CS schneller und beweglicher wird: Es sei kein Thema, das monolithische Core-Banking-System der CS von Grund auf neu zu bauen, sondern man lege bei der Digitalisierung Layer darüber, sagt sie. Bridge will die IT entsprechend nicht als "Legacy System" verstanden wissen, sie kreiert dafür den Term "lebendiges Heritage". Die Konferenzteilnehmer schmunzeln. (Marcel Gamma)