Bern modernisiert Schulinformatik – mit einer Open-Source-Lösung?

Die Stadt Bern muss die Schulinformatik den gestiegenen Anforderungen anpassen. Um die Infrastruktur in den Schulen auf den neusten Stand zu bringen, hat der Berner Stadtrat einem Kredit von rund einer Million Franken zugestimmt. Auf eine bestimmte Art von Software hat er sich dabei nicht festgelegt.
 
Die Infrastruktur der Schulinformatik der Stadt Bern ist bereits acht Jahre alt und gehört damit zum alten Eisen. Sie entspreche nicht mehr den heutigen pädagogischen Anforderungen und den Empfehlungen der Erziehungsdirektion des Kantons Bern, formuliert es der Gemeinderat.
 
Das Geschäft an sich war an der Stadtratssitzung am Donnerstag unbestritten. Sowohl Stadtrat als auch Stadtregierung sehen die Informatik- und Medienkompetenz neben Schreiben, Lesen und Rechnen als neue Grundkompetenz an, die gefördert werden muss.
 
Deshalb sollen die Schulen mit Wlan ausgerüstet, Kindergärten und Basisstufen einbezogen und die Infrastruktur generell an die gestiegene Anzahl Schüler angepasst werden. Mit dem gewährten Kredit werden eine Lösung ausgearbeitet und die zu beschaffenden Geräte und Dienstleistungen ausgeschrieben.
 
Gibt es eine Open-Source-Lösung?
Zu reden gab im Stadtrat, ob die neue Infrastruktur vollständig über frei zugängliche Open-Source-Software (OSS) laufen oder ob proprietäre Software wie Microsoft in der Evaluierung einbezogen werden soll. Gleich drei Anträge standen dazu zur Debatte.
 
Eine Open-Source-Software lade zum Experimentieren ein. Sie fördere das Verständnis von Technologien und spare Lizenzkosten, argumentierten die Kommission für Finanzen, Sicherheit und Umwelt (FSU) und einige Stimmen aus der Ratslinken. Die FSU forderte in ihrem Antrag, dass bei der neuen Infrastruktur strikt auf OSS gesetzt werden soll.
 
Es sei ein Trugschluss, dass OSS gratis sei, argumentierten dagegen mehrheitlich bürgerliche Parteien. Wichtig sei das Erlernen des Programmierens, und dies sei unabhängig von der Software möglich. Funktionalität und Wirtschaftlichkeit müssten die obersten Kriterien sein.
 
Ideologischer Technologiestreit
"Die Schule ist ein denkbar schlechter Ort, um einen ideologischen Technologiestreit auszutragen", sagte Manuel C. Widmer von der Grünen Freien Liste. Widmer ist als Lehrer direkt betroffen und warnte, dass bei einem Vorzug für Open-Source-Software die gesamte Lehrerschaft auf neue Programme umgeschult und umgerüstet werden müssten.
 
Geeinigt hat sich der Stadtrat auf einen Mittelweg. Wo immer eine gleichwertige Open-Source-Software zu proprietärer Software existiert, soll durchgehend OSS eingeführt werden. Damit hält der Stadtrat am heutigen Status quo fest und ermöglicht den Behörden einen Ermessensspielraum bei der Auswertung.
 
Variante mit Lernsticks
Prüfen will die Stadt Bern nebst der Art der Software unter anderem das Arbeiten mit sogenannten Lernsticks. Auf diesen sind Programme und Daten schon gespeichert. Jeder Schüler würde einen Lernstick erhalten und könnte damit auf jedem Computer Wlan-unabhängig arbeiten. Die Stadt Winterthur hat damit bereits Erfahrung gesammelt und preist die Lösung als besonders kostengünstig.
 
Das letzte Wort zum Projekt hat das Volk. Über die Erneuerung der Infrastruktur wird das Berner Stimmvolk voraussichtlich 2018 abstimmen. 2006 hat es sich für die Einführung einer einheitlichen Informatikplattform in den Schulen ausgesprochen. (ts/sda)