Helvetia steckt Millionen in die Digitalisierung

Jährliche Investitionen von zweistelligen Millionenbeträgen, ein neuer Geschäftsleistungsbereich IT, Beteiligungen und Förderung von Startups, dies sind die Eckpunkte der Digitalisierung von Helvetia.
 
Der Versicherer Helvetia hat heute Montag seine Geschäftszahlen für das Jahr 2016 bekannt gegeben und dabei erklärt, dass ein Schwerpunkt des Unternehmens auf der Digitalisierung liege. So weit so wenig erstaunlich. Auf Anfrage von inside-it.ch hat der Konzern Details zu bestehenden Lösungen und seiner Digitalisierungsstrategie bis ins Jahr 2020 erläutert.
 
Die generelle strategische Ausrichtung
Um die Strategie umzusetzen, hat man bei Helvetia einen Geschäftsleitungsbereich IT etabliert und den neuen CTO Achim Baumstark mit dessen Organisation betraut. Man investiere fortlaufend in die Modernisierung der IT-Systeme und wenn nötig in den schrittweisen Ersatz. Wie in der Vergangenheit werden auch künftig jährlich Investitionen zwischen 50 und 70 Millionen Franken dafür anfallen, schreibt Helvetia in einer Email.
 
Beim Versicherer sei bereits gruppenweit ein modernes CRM im Einsatz und die Dunkelverarbeitung – die automatisierte, nicht beeinflussbare Bearbeitung von Geschäftsprozessen – weit fortgeschritten.
 
Die Firma habe zudem ein digitales Operating Model definiert, das aufzeigen soll, "wie zukünftig die Geschäftsprozesse End-to-End gestaltet werden" können. Die Prozesse sollen stärker automatisiert werden, was die Effizienz und Geschwindigkeit in der Leistungserbringung verbessern könne, so der Versicherer.
 
Kundenseitige Digitalisierung
Mittels Online-Geschäftsmodellen sollen Kunden und Partner mit Helvetia interagieren können. Der Zugang zu allen Services soll unabhängig vom gewählten Kanal ermöglicht werden.
 
Man investiere vor allem in Online- und mobile Lösungen in der Kundeninteraktion. Konkret nennt der Versicherer einige bereits umgesetzte Lösungen: Kundenkommunikation über Schaden-Apps; Websites für spezifische Kundengruppen mit umfassender Customer Journey; Online-Tarifrechner, die den direkten Abschluss von Verträgen fördern; eine volldigitale Hausratsversicherung in Deutschland sowie die Lancierung der Good-Driver-App in Spanien, die das Fahrverhalten der Nutzer verbessern soll.
 
Beim Online-Versicherungsanbieter Smile.direct, der Helvetia gehört, können Kunden Offerten einholen, Versicherungen abschliessen und Schäden abwickeln. Im Rahmen der neuen Strategie soll dieser Service, um On-Demand-Lösungen erweitert werden. So könne man in Zukunft etwa am Flughafen kurz vor dem Abflug eine Reiseversicherung abschliessen.
 
Durch Smart Data und Analytics strebt Helvetia eine zunehmende Personalisierung an. Die Dienstleistungen, Produkte-Services aber auch das Pricing soll stärker individuell zugeschnitten werden können. Die Methoden sollen zudem dazu dienen, das Portfolio- und Exposure-Management besser betreiben zu können; zweiteres umfasst die Einschätzung, welchen Risiken ein Versicherungsnehmer ausgesetzt ist.
 
Startups und Beteiligungen
Neben den Eigenleistungen und den bereits umgesetzten Anwendungen will die Helvetia in ein aktives Ökosystem investieren und sich an Tech-Firmen beteiligen.
 
Zum einen hat der Versicherer einen Venture Fund für Investitionen in Startups etabliert. "Der Fund beteiligt sich zum einen in Start-ups aus dem Bereich InsurTech. Zum anderen investiert der Fund in versicherungsfremde Startups, wenn sich mit deren Geschäftsmodell eine unterstützende Brücke zum Geschäft von Helvetia schlagen lässt", erklärt Helvetia. In den nächsten Jahren will man rund 55 Millionen Franken in 25 Jungunternehmen investieren mit denen man eine operative Zusammenarbeit anstrebe. Zudem hat Helvetia zusammen mit der Swiss Startup Factory (SSUF) ein Insurtech-Accelerator-Programm gestartet.
 
Helvetia hat ausserdem im letzten Dezember für 107 Millionen Franken 70 Prozent des Fintechs MoneyPark übernommen. Die Mehrheitsbeteiligung am Online-Hypothekenversicherer soll das Portfolio von Helvetia ergänzen und einen Anker für ein Ökosystem zum Thema "Home" legen. "Dabei sollen die am Netzwerk beteiligten Unternehmen vom Kundenzugang und der Kunde von einer durchgängigen, exzellenten Customer Journey profitieren", verspricht die Firma.
 
Bereits seit Juni 2016 kooperiert Helvetia in diesem Zusammenhang mit dem Jungunternehmen Movu, das sich auf die Vermittlung von Umzugs- und Reinigungsservices spezialisiert hat. (ts)